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Palästina · 1927-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 222

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 4-5
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
Date
1927-01-01
Page
Seite 222 (sequence 3)
Language
German
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222 Alle Schlichtungsversuche sind bisher erfolglos geblieben. Den Arbitragevorschlag des Waad Leumi hat der Eigentümer der Fabrik abgelehnt. Das Ergebnis des Konfliktes ist somit im gegenwärtigen Augenblick noch nicht abzusehen.*) 4. Die Vorgänge in Jerusalem. Die Kommission, die den Bau des Lehrerseminars - in Jerusalem zu leiten hat und in der mehrere prominente zionistische Führer (zwischen ihnen der Hauptleiter des Keren Kajemeth, ein Mitglied der - Zionistischen Exekutive und ein Mitglied des Waad Leumi) sitzen, hat trotz der mehrfachen Warnungen des Jerusalemer Arbeiterrates beschlossen, den Bau nicht nur einem Privatunternehmer zu übergeben, sondern ihm nicht einmal die Verpflichtung auferlegt, die Arbeiter laut der Zuweisung des Arbeitsamtes der Histadruth in Jerusalem (das alle arbeitslosen Arbeiter, ohne Rücksicht darauf, ob sie Mitglieder der Histadruth sind oder nicht, registriert und. für gerechte Verteilung der vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten sorgt) und auf Grund dessen Lohnbedingungen zu beschäftigen. Als Protest dagegen hat der Arbeiterrat erklärt, die Verteilung der Unterstützungsgelder an Arbeitslose nicht "weiter führen zu wollen. Die Verwirrung, die infolge dieses Schrittes des Arbeiterrates entstanden war, nützten die Kommunisten und linke Poale- Zion aus, um die Masse der Arbeitslosen in der Stadt (zirka 1000) aufzuwiegeln und sie zu feindlichen Demonstrationen gegen die Zionistische Exekutive zu veranlassen, die sich am nächsten Tage anläßlich des Leichenbegängnisses einer kaukasisch-jüdischen durch Not zum Selbstmord getriebenen Arbeiterfrau wiederholten. Diese Vorgänge verursachten ein allgemeines Aufsehen in der jüdischen Bevölkerung um so mehr, als ein Teil der Arbeiterschaft, insbesondere der Hapoel-Hazäir, die Handlung des Arbeiterrates als eine leichtsinnige scharf mißbilligte. Das Arbeitsdepartement der Exekutive erließ einen Aufruf an alle nationalen Behörden und Institutionen, in dem es die Beschäftigung von Arbeitern bloß durch Vermittlung von Arbeitsämtern empfiehlt. Doch scheint der Aufruf vorläufig wirkungslos geblieben zu sein. Das Baukomitee hat den Vertrag mit dem Unternehmer doch unterfertigt, ohne andere Bedingungen als Beschäftigung von jüdischen Arbeitern zu stellen, und der Unternehmer schlägt den Arbeitern Löhne vor, die weit unter den bisher geltenden stehen. So drohen denn von dieser Seite weitere Komplikationen, die die ohnehin sehr schwere Lage noch zu verschärfen geeignet sind. 5. Zur Frage der Arbeitskonflikte. -Die in den letzten Jahren ziemlich häufigen Arbeitskonflikte in Palästina finden naturgemäß einen lebhaften Widerhall in der Oeffentlichkeit. Es. wird oft versucht, die Arbeiterschaft für die schwere Lage und die mannigfachen Mißerfolge der Industrie verantwortlich zu machen. So wurden letztens auf einer Beratung mit der Gruppe der jüdischen Kapitalisten aus Amerika und auf einer Sitzung des Rates des Departements für städtische Siedlung bei der Zionistischen Exekutive lebhafte Anklagen gegen die Arbeiterschaft erhoben, daß sie durch ihre „sozialen Experimente4', durch konkurrierende Produktivgenossenschaften, ins- *) Anmerkung der Redaktion. Dieser Streik hat in Palästina die Gemüter sehr erregt. Wir können natürlich nicht Partei ergreifen, wollen aber zur Vervollständigung obigen Berichtes erwähnen, daß von Seite der Industriellen den Angaben der Streikenden entgegengehalten wurde, daß bei „Nur" Mädchen nur zu Packarbeiten verwendet wurden, die keinen hohen Lohn vertragen, daß keine Kinder verwendet werden, sondern 12 arabische Jungen, deren jüngster 14 Jahre alt war und anderes mehr. Der Unternehmer hat die Fabrik zum Verkauf ausgeschrieben.

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