Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 4)
- Language
- German
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223 besondere aber durch ihre ultimativen Forderungen und Streiks die Entwicklung der Industrie sehr erschwere. Auch bei den Arbeitern wird die Frage lebhaft erörtert und es unterliegt keinem Zweifel, daß sie einen der Hauptberatungspunkte bei der in den allernächsten Tagen stattfindenden dritten allgemeinen Konferenz der Histadruth bilden wird, in einer der letzten Nummern der Arbeiterzeitung „Davar" schlägt Berl Katzenelson die Schließung eines Kollektivvertrages zwischen der Histadruth und denjenigen Arbeitgebern vor, die die Bedeutung der organisierten Arbeit verstehen. Es soll ein gemeinsames Arbeitsvermittlungsamt errichtet und der Minimallohn für jeden Industriezweig besonders errechnet werden, wobei sowohl der Lebensstandard des Arbeiters wie auch die Entwicklungsbedingungen des betreffenden Industriezweiges in Betracht gezogen werden sollen. Alle Streitigkeiten sollen durch ein Schiedsgericht erledigt werden. Auf diese Weise könnte sowohl der Engherzigkeit vieler Unternehmer, denen die Organisierung der Arbeiter ein Greuel ist, wie auch der übertriebenen Kampflust mancher Arbeiter entgegengewirkt und die ruhige Entwicklung der Industrie sichergestellt werden. * Nach'b'emer'kung d e r R e d a k t i o n: Wie schon in obiger Anmerkung erwähnt, wollen und können wir uns in den Streit der Parteien nicht einmengen und haben es daher .mit der Berichterstattung in Kontfliktsfällen besonders schwer, weil jeder Bericht auch beim besten Willen des betreffenden Autors irgendwie subjektiv gefärbt ist. Wir können nichts anderes tun, als allen Parteien das Wort zu geben, wie wir auch nachstehend eine uns zugekommene Gegenäußerung zu einem Bericht von Nr. 3 abdrucken. Wir lehnen es aber ab, wenn uns von der einen Seite ein Vorwurf daraus gemacht wird, daß wir auch die andere Seite zu Worte kommen lassen. * Zu den uns in Nr. 3 von Dr. Kurt Grunwald unter Rundschau „Wirtschaft", Seite 130, übermittelten Beschwerden über die Arbeiterschaft schreibt uns Dr. Walter Preuß (von der „Histadruth") folgende berichtigende Zeilen, die wir in unserem Bestreben nach- Objektivität nachstehend abdrucken. Bezüglich des Baus des Lehrerseminars: Das Offert des Solei Boneh war nicht das teuerste, sondern zwei andere waren ebenso hoch, drei weitere billiger. Der Arbeiterrat hat niemals proklamiert, daß die Arbeit an Solei Boneh übergeben werden soll, es drehte sich nur um die Frage der Beschäftigung organisierter Arbeit durch den Unternehmer. (Dies hatten wir ja selbst in einer redaktionellen Bemerkung zu dem fraglichen Bericht bemerkt.) Der Solei Boneh ist nicht in Streit gezogen worden. (Dies ist auch nicht von Dr. G. ausdrücklich behauptet worden.) »Bezüglich des Falles 'der Fabrik Blum und des geschlderten Vorgehens des Bürgermeisters protestiert Dr. W. Preuß gegen die Unterstellung, daß letzterer absichtlich den High Commissioner nicht in die Fabrik geführt habe, was ihm völlig ferne gelegen war; die Stadtverwaltung habe vielmehr in diesem Falle mit allen Mitteln interveniert, und die Arbeiterschaft habe keine Feindschaft gegen die Fabriken. Wir bemerken dazu, daß von Seite der Industriellen die Auffassung unseres Berichterstatters geteilt wird, worüber uns eine schriftliche Aeußerung vorliegt. Im übrigen ist der Fall erledigt und wir hoffen, daß sich beiderseits die Erregung legen wird.