Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Arbeit für die Waisensiedlung als Verknüpfung mit dem palästinensischen Erziehungswerk
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 2)
- Language
- German
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214 sich die gerne als Repräsentation jüdischer Erziehung angesehenen „religiösen Uebuogen" als ungenügend dar, zumal sie in ihrer unpädagogischen Art nach Pestalozzi auf eine „Maulübung" hinauslaufen. Die Kräfte, die in unserer Geschichte wirken, die Werte, die in der Bibel leben, werden nicht sinngemäß an das Kind herangetragen, und selten darf es wohl ein jüdisches Fest aus eigenem gestalten. Die Resultate dieser Erziehung kann man sich leicht vorstellen, es sind im allgemeinen stark triebmäßig beherrschte, ihrer eigenen Person viel Beachtung widmende (im psychoanalytischen Sinne „nazistische", allgemein: egoistische) Menschen mit einem lockeren jüdischen Firnis, der in späterer Zeit, in der sie als Lehrlinge oder Angestellte im Leben stehen, leicht genug fallen kann. Gewiß ist es, daß es nicht Menschen sind, an die der Strom des auch menschlich erneuernden Renaissance-Jundentums bereits gerührt hat. Ganz neue Anfänge jüdischer Waisenfürsorge hat das Leben in Erez Israel, wo es diese frei gestalten konnte, geschaffen. Kfar Jeladim, das „Kinderdorf" im Emek Jesreel, unter der Leitung von Pugatschow, ist das Muster einer pädagogischen Siedlung, in der die Kinder nach einer von ihnen selbst gegebenen Verfassung leben, die Siedlung verwalten, landwirtschaftlich und handwerklich produktiv arbeiten und frei von dem Gefühl, Fürsorgeobjekte zu sein, als aufrechte und selbstverantwortliche Menschen aufwachsen. Ihre Verbundenheit mit dem Geschick des Aufbaues von Erez Israel wird gleichsam zum Magneten, der ihre seelischen Kräfte ordnet. Soll nun solch glücklicher Anfang nicht mehr bewirken, als daß er vereinzelt Strahlen in die Waisenerziehung der Galuth wirft, oder gibt es Wege, auf denen diese als Ganzes sich dieser Sonne hinzu bewegen kann? In mehrfacher Weise kann die zionistische Gesellschaft ihre bedeutsame soziale Pflicht auf diesem Gebiete erfüllen. Zunächst kann sie durch Veranstaltungen in den Waisenhäusern dafür sorgen, daß diejenigen Aspekte, unter denen heute jüdisches Leben angesehen wird, in die Sphäre der Kinder gelangen (das gute jüdische Jugendbuch spielt hier eine große Rolle), sie kann in den jüdischen Lehrlingsheimen eine Vortrags- und Kurstätigkeit eröffnen und durch eine Beratungsstelle die alleinstehenden Lehrlinge zum Vertrauen an die" Gemeinschaft gewöhrien. Um aber hauptsächlich von der Ueberführungsmöglichkeit nach Palästina zu sprechen, so muß es in größeren Zentren eine Art jüdisches „Settlement" geben, wie es etwa durch das Jüdische Zentrum in Wien bereits annähernd dargestellt wird, in dessen Sphäre (durch Veranstaltungen usw.) die Waisenkinder in Gruppen oder als einzelne gelangen. Dort muß über ihre Ausbildung Evidenz geführt werden, Anregungen müssen erteilt, Interessen, womöglich unter Gruppenbildung, gefördert werden. Natürlich müssen dabei auch Aussprachen mit den Vormündern vor sich gehen, auch müssen