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Palästina · 1927-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 213

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 4-5
Article
Arbeit für die Waisensiedlung als Verknüpfung mit dem palästinensischen Erziehungswerk
Date
1927-01-01
Page
Seite 213 (sequence 1)
Language
German
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213 Arbeit t ür die Waisensiedlung als Verknüpfung mit dem palästinensischen Erziehungswerk. Von Dr. Stephan Krauß, Heidelberg. Die Bemühungen Dr. Siegfried Lehmanns, Gruppen des im Sinne der „Gemeinschaftserziehung" verwalteten jüdischen Kinderhauses in Kowno nach Palästina zu verpflanzen*) aind sie in Form einer Arbdtssiedlung in den Aufbauprozeß des Landes einzugliedern, haben sich in letzter Zeit auch in einer neuen Betrachtungsweise der Probleme der jüdischen Waisenfürsorge in den westlichen Ländern ausgewirkt. Diese Probleme verdienen es, vermöge ihrer sozialen Bedeutung, einer näheren Untersuchung unterzogen zu werden, zumal die auf Grund der Ueberführungsmöglichkeit nach Palästina jetzt verschiedentlich (u. a. von Anitta Müller- Cohen) ausgegebene Parole, um sich Gefolgschaft zu erwerben, eines wohlbegründeten Standpunktes und der Erwägung aller Konsequenzen bedarf. Wer den jüdischen Waisenhäusern seines Wohngebietes (zum Beispiel in Wien) sein Augenmerk zuwendet, wird zunächst davon befriedigt sein, daß die Kinder in wohlgeordneten, stattlichen Gebäuden, in denen sie sich auch wohl fühlen können, zu anständigen Menschen erzogen werden. Daß die jüdische Erziehung nicht ebenfalls zu ihrem Recht käme, kann — dafür sorgt schon der Einfluß der jüdischen Erneuerungskräfte ringsum — nicht direkt behauptet werden. Dem näheren und erzieherisch verständigen Blick aber wird sich eine Unzulänglichkeit sowohl der menschlichen als auch der jüdischen Erziehung erschließen. Beobachtet mau. die Lebensordnung in einem solchen Hause — ich selbst hatte durch pädagogische Tätigkeit Gelegenheit dazu —, so wird man gewahr, daß sie bis in die kleinste Einzelheit eine „von oben" geregelte und diktierte ist, der kindlichen Spontaneität, Selbsttätigkeit .und Selbstverantwortung — bekanntlich Kräfte, auf die sich die Prinzipien der modernen Pädagogik stützen —, keinerlei Spielraum läßt und durch ihr zwangsmäßiges Einerlei einen derartigen seelischen Druck ausübt, daß es zur Verbitterung und zu „'ordnungswidrigen44 Streichen kommt. Diesen Erscheinungen kann nur durch eine weitgehende Selbstverwaltung der Kinder und produktive Arbeit, zwei Formkräfte, die eine ganz andere Bindung der Kinder an das Haus hervorrufen, abgeholfen werden aber dies darzutun obliegt nicht diesen Zeilen (man lese darüber die Beiträge im wertvollen Erziehungsheft der Zeitschrift „Der Jude", 1926). Doch auch in jüdischer Beziehung stellen *) Anmerkung der Redaktion: Der Keren Kaiiemeth hat dem Lehmann-Komitee dafür ein Griu>ndstück in Ben Schemen zur Verfügung gestellt, wie von uns bereits in Nr. 1/2, Seite 75, gemeldet.

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