Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Jericho, ein ungehobener Schatz
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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207 Widmung eines splendiden Bleichgesichtes an ihn, den stolzen Häuptling von Abu D«is. Mit welcher Verstärkung des Verkehres die Regierung hier rechnet, erhellt daraus, daß auch die Breite des Straßen-stückes Jericho—Jerusalem demnächst von 6 auf 20 Meter gebracht werden soll. Handel und Verkehr waren stets Schwesterbegriffe und -Tatsachen. Schon heute weist die Straße nach Jerusalem dem Export des fruchtbaren Ostjordanlandes, Getreide, Wein, Rosinen und Vieh, die Richtung. Wenngleich das Hauptquantum mit der Mekkabahn und deren Anschlußlinie nach Haifa ins Land kommt, -so verlangt doch schon die Apiprovisionierung der Hauptstadt eine direkte Verbindung. Nächst der Einbruchstelle an der Jordanbrücke ist denn auch schon eine /große Station für Viehquarantäne errichtet. Doch nicht nur als Zwischenstation für den Handel mit Transjordanien hat der Bezirk von Jericho wirtschaftliche Bedeutung. Sie liegt zunächst dm außerordentlichen Reiz dieser Landschaft, die in steigendem Maße Touristen und Wintergäste anzieht. Hier war seit je ein herrliches Stück Erde, und das ist es — trotz aller Verwüstungen der Jahrtausende —durch die Gunst einer gnädigen Natur bis nun geblieben. Dazu die in jedermanns Herzen widerhallenden Anklänge an Bibel und Geschichte. Hier brach Josua — der hebräische Beduinenscheich — ins Land, hier fiel Simo n der Hasmonäer durch Meuchelmord -und hier lustwandelte der prachtliebende Merodes in den Palmengärten der Kleopatra. Auch die Römer wußten Jericho zu schätzen und haben an den Hängen des rauschenden Wadi Kelt nach ihrer Art eine kühne und feste Straße herabgeführt, die sich nach Auffrischung des Oberbaues bald als neue Sehenswürdigkeit dem Autodienst für Touristen darbieten wird. Doch nicht nur landfremde Touristen weiß das eigenartige Klima Jerichos anzulocken. Im Sommer verbietet wohl die hier lagernde Tropenglut, welche so'gar die Eingeborenen träge dahindämmern läßt, jede Annäherung. Aber kaum daß im übrigen Palästina der Winter mit Sturm und Regen einbricht, wird Jericho zum Asyl für alle Landbewohner, die sich's leisten können und die ihre Schnupfen, Katarrhe und Influenzas entweder schon abbekommen haben oder doch ihnen ausweichen möchten. Die Araber haben die Winterstation stets igekannt und jetzt gucken es ihnen auch die Juden allmählich ab. Mit Quartier und Kost war's freilich bis nun nicht weit her. Am besten wohnte man noch im Russenkloster und -Hospiz, und die Verpflegung mußte man sich recht »und schlecht in einem der „Hotels" beschaffen. Lady Samuel, die Gattin des ersten High Gommissiioners, hat Wer ihr Teil zur Erischließung Jerichos beigetragen, indem sie für erholungsbedürftige Regierungsbeamte das Häuschen „Bet Mirjam" widmete. Und jetzt wird von einem arabischen Unternehmer ein großes, schmuckes Hotel, das diesen Namen zu verdienen scheint, erbaut. Schon halten die Ar-