Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Jericho, ein ungehobener Schatz
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 3)
- Language
- German
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206 Waffen bei sich. Hier an einer Bergschlucht, dort an einem Felsenhang verweilend, (pflogen sie mit den Arbeitern, schlichten Fellachen, romantischen Beduinen und leibhaftigen Negern, Abrechnung, ließen sich die Auszahlung durch Fingerabdrucke in den Rechnungsheften quittieren und hielten dabei unbekümmert die Deckel der igeldstrotzenden Kasse offen. Und wenn der Beamte für Vernachlässigung einer Arbeit Lohnabzüge dekretierte, so nahm man auch das ohne Widerspruch hin. Es läßt sich vorstellen, welchen Respekt diese Männer aus dßm Volke, einst Objekte türkischer Mißwirtschaft, der an Ordnung waltenden Macht der neuen Regierung entgegenbringen. Gewiß sind Straßenarbeiter, die stolz mit ihren farbigen Armbinden in die Dörfer ringsum heimkehren, bessere Stützen des Staates als vor dem Kriege die Strafkompagnien der Zaptiehs. Und daß gerade bei den Public Works die Beamten — dank der nötigen 'Qualifikation — zumeist Juden sind, welche als Repräsentanten.der Mandatarmacht jenen Arbeitern in Festigkeit und dabei doch mit menschlichem Gefühl gerecht zu werden suchen, ist kein unwichtiges Detail. Man verzeihe diese kleine Abschweifung, doch reizte es mich, anzudeuten, was hierzulande an VerwaUungsmethoden geübt wird. Vor dem Siegerblick der Regierung hat sich auch der S c h m u g g e 1 v e r k e h r verkrochen, der noch vor kurzem ebenda aus Transjordanien .nach Westen strebte. Wenn du keimen landkundigen Führer zur Seite hast, wirst du auf der Fahrt nach Jericho — es sind etwa zwei Drittel des Weges — die historische Stelle übersehen, wo einst von «unseren Vorfahren der Sündenbock Asasel in die Felswüste hinein zum Teufel geschickt wurde („Lech el Asasel" fluchen noch heute -die Juden) und wo .in unseren praktischer -gerichteten Tagen die Schmuggelkarawanen sich zwischen den Klüften durchwanden, um Salz, Asphalt und was sonst drüben gebührenfrei und hüben gebührenpflichtig ist, Palästina zuzuführen. Statt der Schmugglerzüge hat sich der legitime Zwischenlandverkehr gut entwickelt. Und zweifellos wird er durch den engen politischen Anschluß, den die klug-bedachtsamen Engländer nach, einer knappen, dem Emir Abdallah gewährten Selbständigkeitspause vor Jahresfrist durchgeführt haben, noch weiter steigen. Der Weg nach Amman ist nicht länger durch strenge Visenvorschriften und die romantische Angst vor den „blutgierigen Fanatikern'4 von Moab und Ammon verrammelt, und die schmucke Allenby-Brücke, welche britische Militäringenieure noch 1919 in fünf Tagen über den Jordan schlugen, ist keine Zäsur mehr, sondern: — wie es einer redlichen Brücke ziemt — ein Bindeglied für bürgerlichen Verkehr und Güteraustausch. Auch die bärbeißigen Wachtposten zu beiden Seiten der Brücke in ihren fliegenden Burnussen scheinen nur noch, als Dekoration zu dienen. Wenigstens zeigte mir so ein. Zerberus mitkokettem Lächeln seine Donnerbüchse und auf ihrem Schaft ein blankpoliertes Metallschild mit der poetischen