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Palästina · 1927-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 4-5
Article
Jericho, ein ungehobener Schatz
Date
1927-01-01
Page
Seite 205 (sequence 2)
Language
German
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205 längs deren jüdische Siedlungen nur spärlich gereiht sind. Noch schlimmer steht es gegen-N o r d e n, wo sich die Straße in einer trostlosen Länge von 120 Kilometer^ dehnt, bis sie bei Ir Jesreel im Emek den nächsten jüdischen Stützpunkt berührt. Und im Süden muß man über das. christliche Bethlehem 30 Kilometer weit bis Hebron wandern, um wieder ein jüdisches Gemeinwesen, schwach genug, zu finden. Endlich nach Osten — der Jordangrenze zu — mit Jericho -als Schlußstein, sind überhaupt keine Juden ansässig. Unser Jischuw ist gleichsam an der Mauer der Haupttadt abgestorben und das jüdische Gräberfeld am Oelberg scheint das Symbol dafür. Weiter östlich breiten sich heute unbestritten christliche und mohammedanische Domänen aus. Nächst Jerusalem, bei Bethanien, halten Kirchen und Klöster die Erinnerung an Jesu Christi verklärte Leiden wach, und "in den Falten des Gebirges Juda, schon im Bereich des Toten Meeres, liegt N e b i M u s a, die vermeintliche Grabstätte des uns Juden konfiszierten Mosche Rabbenu, wohin alljährlich die nach Jerusalem versammelte Mannschaft der Moslims des Landes waffenklirrend wallfahrtet. Diese Isolierung des jüdischen Jerusalem, zumal gegen Osten, scheint recht verwunderlich und verdient eingehende Prüfung und Würdigung. Schon die V e r b i n dun g der Hauptstadt mit Jericho ist eine vortreffliche. Wohl 'nimmt die Bahnlinie von Jaffa 'her in Jerusalem ihr Ende, und es dürfte auch bei dem gewaltigen Höhenunterschied von 1200 Meter bis zur Talsohle des Jordan herab und dann drüben ebensoviel zum Grat der Moabiterberge wieder empor nicht so bald zum Ausbau der Eisenbahn nach Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, kommen. Aber die Landstraße ist ausgezeichnet und die Autos bewältigen die 35 Kilometer lange Strecke spielend in fünfviertel Stunden. Dabei wird die Straße als eine solche erster Ordnung beständig verbreitert und auch sonst — durch Milderung des Gefälles und durch Ausweitung der Kurven— verbessert, so daß dem Reisenden nicht mehr wie früher vom Tanz längs der scharfen Serpentinen der Kopf zu brummen braucht. Auch die S i c h e r h e i t dieses Verkehrsweges, die vordem — seit den Tagen des heiligen Lazarus — durch Räuber und allerlei übles Volk, das von der Wüste her einscbwärmte, arg .gefährdet war, darf heute als tadellos gelten. Der Zufall fügte es, daß ich! mit-, ansah, wie im Auto vorbeipatrouillierende Beamte der Public Works (öffentliche Arbeiten der Regierung) aus mitgefübrter Kasse die Straßenarbeiter auslohnten, dort, wo man sie in den zugewiesenen Abschnitten bei Hacke und Spaten traf. Man wußte wahrscheinlich, daß die Herren Beamten des Weges (kommen, und man konnte sich's jedenfalls berechnen, wann sie ihn zurück machen werden. Wer würde es in Europa unter gleichen Umständen leicht riskieren, solche Versuchungen zu wecken? Hier aber dachten die Beamten an keine Gefahr. Sie hatten nicht Soldaten noch Polizisten noch

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