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Palästina · 1927-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 4-5
Article
Kolonisationspläne und Kolonisation
Date
1927-01-01
Page
Seite 168 (sequence 13)
Language
German
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168 Produkte richtet sich nach den Entstehungskosten des unter den günstigsten Bedingungen hergestellten Anteiles an der Produktion. Als Luxusprodukte sind aber alle die Erzeugnisse der Landwirtschaft zu verstehen, die zur Bedarfsdeckung nicht unbedingt notwendig sind, sondern deren Absatz durch folgende Vorzüge erreicht wird: 1. Einmaligkeit ihrer Erzeugung („Monopolprodukte"), 2. besondere Güte ihrer Qualität („Qualitätswaren"), 3. besonders günstige Zeitpunkte ihrer Lieferbarkeit (Frühgemüse und Frühobst, Spätfrüchte, „Delikatessen der Saison"). Der Konsumvorgang aller dieser Produkte ist der gleiche; ihr Standardpreis wird immer so lange gehalten, bis ein Land oder ein Landesteil, mit günstigeren Produktionsbedingungen ausgestaltet, die gleiche oder eine Ersatzware zu billigerem Preis zu liefern imstande ist. Ihr Preis wird aber nur bestimmt durch das Angebot, da die Nachfrage — es handelt sich hier um Ueberflußprodukte, deren Seltenheits- und deren Genußwert, aber nicht deren Ernährungswert bezahlt wird — beliebig aus den verschiedensten Gründen eingeschränkt werden kann. Nun, Dr. Soskin baut seinen ganzen Plan gerade auf den Produkten auf, die dem umgekehrten Ricardoschen Grundrentengesetz, dem Gesetz der Preisgestaltung von Luxusprodukten, unterliegen. Er fordert den Anbau von Monopolfrüchten, Erzeugnissen besonderer Güte und zu besonders günstigen Zeiten. Hier liegt unseres Erachtens der letzte entscheidende Fehler seines Systems. Die Preise dieser Erzeugnisse werden von den Produktionsbedingungen der Länder bestimmt, deren natürliche Bedingungen und deren Kapitals- und Arbeitsverhältnisse beispielsweise günstiger liegen als in Palästina. fEs würde zu weit führen, das Vorhandensein solcher Länder im einzelnen zu beweisen. Aegypten hat vier Millionen Hektar bewässerten Bodens, dessen Bewässerung fast nichts kostet, da der fruchtbare Nilschlamm für ständige Anreicherung des Bodens sorgt. Kalifornien hat die gleiche Gunst des Klimas wie wir, aber dazu einen hervorragenden 'Boden und dazu einen ausgebildeten außerordentlich aufnahmefähigen inneren Absatzmarkt im reichen Amerika. Dazu kommt der Vorteil außerordentlich niedriger Arbeitslöhne, zum Beispiel in Aegypten, der niedrige Lebensstandard der eingeborenen Bevölkerung hier iund in den anderen Mittelmeterkonkurrenten Palästinas, während wir mit einem schlechten Kapitalsmarkt und übermäßig hohen Zinsen zu kämpfen haben — ganz abgesehen von den geringen Mitteln unserer Kolonisationsinstanzen, die gerade die Investition großer Kapitalien auf einmal — wie es das Soskinsche Prinzip erfordert — völlig illusorisch machen, während sie vielleicht eine langsame Steigerung des Intensitätsgrades aller landwirtschaftlichen Betriebe, nämlich auch der Ackerbau- und Vieihwiritschaften, viel eher erlauben. Dabei sehen wir inoch ab von den Steuerverhältnissen Palästinas, die durch ihre (Besteuerung des Rohertrages geradezu als intensitätshemmende Faktoren wirken. All dies sind Gründe und Bei-

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