Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Kolonisationspläne und Kolonisation
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 10)
- Language
- German
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165 Verteilung günstig, der Boden reich und die Wasserversorgung night allzu teuer durchzuführen war. Die Propagierung der intensiven Kolonisation unier Zugrundelegung dar Existenz des günstigsten Faktors „Sonne" ist irreführend. Die Möglichkeiten der intensiv enKo Ionisation sind abhängig von den jeweils schlechtesten und nicht von den j ewei 1 s besten Be d i n g u n g e n. Selbstverständlich ist 'Dr. Soskin erfahren genug, um diese Tatsache nicht zu übersehen; aber ganz im Banne seiner vorgefaßten Theorie* zieht er die entgegengesetzten Konsequenzen wie wir: Wenn der Waohstumsfaktor „Wasser" nicht in aus^ reichendem Maße vorhanden ist, so muß er mit Hilfe der künstlichen Bewässerung beschafft werden. Sehen wir zunächst von der ökonomischen Seite dieses Standpunktes ab, sondern untersuchen wir die Möglichkeiten der Verwirklichung dieses Prinzips von seiten der natürlichen Bedingungen in Palästina. Wir sind glücklich, zwei Arbeiten benützen zu können, die, von ganz anderen Problemstellungen ausgehend, uns Material zur Betrachtung dieser Frage liefern. Die Arbeit von Dr. Zagorotzki (abgedruckt in Nr. 1/2 dieser Zeitschrift) über die landwirtschaftliche Kapazität Palästinas teilt die überhaupt landwirtschaftlich nutzbare Fläche des Landes in verschiedene Gruppen ein. Eine von diesen in der Gesamtgröße von 353.000 Dunam umfaßt alle Böden, die für Gemüsebau und andere Pflanzungen mit künstlicher Bewässerung geeignet sind. Diese Gruppe macht aber von der Gesamtheit des von Doktor Zagorotzki auf 9 Millionen Dunam berechneten Areals zirka 3,8 Prozent aus. Dabei ist zu bemerken, daß die an -sich sehr wertvolle Arbeit Zagorotzkis rein theoretisch ist und sieh weder mit den ökonomischen noch mit den technischen Problemen der Bewässerung auch nur der 3,8 Prozent des zur Verfügung stehenden Landes auseinandersetzt. Um so zwingender wird die Erkenntnis, daß, wenn höchstens 3,8 Prozent der Bodenfläche theoretisch für Bewässerung geeignet sind, die Anwendung des Soskinschen Prinzips als Grundlage für unsere gesamte kolonisatorische Organisation sich von selbst verbietet. Anders geht Dr. Silbert in seiner Arbeit „Palästina als Landwirtschaftsgebiet" (Dissertation, Bern 1925/26) vor. Nach einer sehr genauen Betrachtung und Bewertung der einzelnen Gebiete Palästinas kommt er zu folgenden Ergebnissen: Das Land ist in seinem größten Teile gebirgig, so daß künstliche Bewässerung hier mit großen Kosten verbunden ist, andererseits sind aber gerade im Gebirge die Wasserverhältnisse noch relativ am günstigsten, dagegen fehlen völlig die übrigen klimatischen und bodentechnischen Voraussetzungen einer intensiven Bodenkultur. Die Temperaturen sind niedrig, Fröste nicht selten. Der Vorzugsfaktor „Sonne" tritt hier nicht in Erscheinung, Frühgemüse ist also nicht zu erzielen. So