Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Kolonisationspläne und Kolonisation
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 9)
- Language
- German
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164 IV. Zu Beginn der grundsätzlichen (wiederholten) Behandlung des Soskinschen Kolonisationsprinzips sei eines klar und deutlich festgestellt: es muß unterschieden werden zwischen dem Prinzip der Intensität als Grundlage unserer ganzen landwirtschaftlichen Kolonisation, das von heute an wirksam werden soll, und zwischen dem Aufbau einer Kolonie wesentlich auf Grundlage des intensiven Gemüse- und Obstbaues an geeignetem Ort und mit geeigneten Mitteln. Dieser Unterschied ist zuletzt von Dr. A. Granowsky in der Zeitung „Mischar W'taasia" (Nr. 4, 1927) deutlich gemacht worden, ohne allerdings bis in seine letzten Konsequenzen verfolgt zu werden. Der Grundfehler, den wir in der Soskinschen Konzeption zu finden glauben und der natürlich für ihre Anwendung als allgemeines Kolonisationsprinzip sich am verhängnisvollsten auswirken würde, läßt sich kurz folgendermaßen skizzieren: Der Erfolg eines landwirtschaftlichen Betriebes ist entscheidend von vielen Faktoren abhängig, zunächst von Wärme, Feuchtigkeit (Größe und Verteilung der Niederschlagsmenge), Grundwasserverhältnissen, Bodenqualität (Güte und Zusammensetzung) usw. Zu diesen natürlichen und technischen treten: Wirtschaftliche Lage, Markt- und Verkehrslage, Kapitals- und Arbeitsverhältnis usw. Bleiben wir zunächst bei den ersten, den sogenannten natürlichen Wachstumsfaktoren, denn bereits hier begegnen wir jener erwähnten verhängnisvollen Einseitigkeit des Soskinschen Prinzips. Unter allen Wachstumsfaktoren wählt Dr. Soskin einen heraus, die Wärme, die Sonne, die in Palästina (allerdings wie in seinen Nachbarländern) reiche Kraft zur Führung einer intensiven Landwirtschaft enltfaltet Wären auch die übrigen natürlichen Wachstumsfaktoren im selben Maße günstig entwickelt, wäre die Wasserverteiluiig durch Regen, Tau und Grundwasser ebenso vorteilhaft, wäre der Boden im gleichen Maße fruchtbar, so hätten wir jene Harmonie der Faktoren vor uns, die in der Tat intensive Landwirtschaft zur notwendigen Konsequenz machen würde. Der landwirtschaftliche Betrieb jedoch wird beherrscht von einer starren Proportion: Zur Ausnützung der Gunst eines Faktors gehört die zu ihm in einem bestimmten Verhältnis stehende Gunst der anderen Faktoren; und immer jener Faktor, der am ungünstigsten gegeben ist, bestimmt die Ausnutz'barkeit der übrigen, bestimmt den Grad beispielsweise der. Intensität. Hier liegt der Schlüssel: Selbst unter der (nicht zutreffenden) Voraussetzung, daß Palästina eine extrem einmalige Gunst der Wänmeverhältnisse besitzt, berechtigt dieser eine Vorzug noch nicht zum Prinzip der intensiven Kolonisation. Was lehren die Beispiel Soskins — »um nur diese seine eigenen zu gebrauchen? Spanien und Kalifornien haben zur intensiven Kultur nur diejenigen Biodenflächen ausgenützt, die eine möglichst günstige Proportion aller natürlichen Wachstumsfaktoren aufwiesen, wo die Wärme-