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Palästina · 1927-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 4-5
Article
Kolonisationspläne und Kolonisation
Date
1927-01-01
Page
Seite 158 (sequence 3)
Language
German
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158 natürliche Vorzüge haben, tierische oder speziell pflanzliche Produkte, deren Anbau außerordentlichen Gewinn verspricht — „Kolonialwaren" —, besonderen Reichtum an Bodenschätzen, einen besonders fruchtbaren Boden, der selbst, wenn er erst urbar gemacht werden müßte, seinen jahrhundertelang aufgespeicherten Reichtum an Nährstoffen in reiche Ernten bei geringem Arbeitsaufwand umsetzt; große, unbebaute und frei zur Verfügung stehende Bodenflächen, oder wenigstens eine arme, unentwickelte eingeborene Bevölkerung, die zur Arbeit, und zwar zu extrem billiger Arbeit gezwungen werden konnte. Exploitation «eines «dieser Vorteile oder oft sogar eine glückliche Kombination vieler dieser Vorteile ist stets das Kennzeichen einer erfolgreichen Kolonisation gewesen. Palästina jedoch besitzt von all dem eigentlich nichts. Sein Boden ist an Nährstoffen arm und ausgebeutet und steht nicht in großen Flächen kostenlos zur Verfügung. Es besitzt keine reichen Naturschätze, außer der Orange kein wirkliches Monopolprodukt (über diese wird noch zu sprechen sein) und keine besondere Gunst aller Wirtschaftsfaktoren, die «das Land in seiner Gesamtheit für eine spezielle Kulturart prädestinieren. Es besitzt keine Bevölkerung, die zu exploitieren wäre; wäre nicht der Zionismus, ein Kolonisationsland wäre Palästina in den nächsten Jahrhunderten nie geworden. Wenn schon das Wort Kolonisation gebraucht werden soll, so paßt höchstens der Begriff „innere Kolonisation". Denn in eine bereits bestehende Wirtschaft müssen langsam und den herrschenden natürlichen, ökonomischen und menschlichen Bedingungen angepaßt, neue Zellen wirtschaftlichen Lebens eingefügt werden. Eine wirtschaftliche Infiltration — nicht eine Kolonisation, das ist die Aufgabe, die vor uns steht. Und all die vielen Vergleiche und Terminologien, die von wirklichen .Kolonisationsländern herbeigeholt werden, wirken nur verwirrend und gefährlich. Sie verwirren auch die Stellungnahme zu den Projekten und Plänen der intensiven Kolonisation. Bei einer solchen „inneren Kolonisation", das heißt einer Kolonisation von innen heraus, oder, wie wir es genannt haben, wirtschaftlichen Infiltration, ist «eine Tendenz zur steten Intensivierung der landwirtschaftlichen Betriebsformen selbstverständlich. Es erschwert daher nur die Erörterung des Problems, wenn Dr. Soiskin in diesem seinem letzten Artikel plötzlich erklärt, es handle sich bei seinem Plan nicht um die Frage intensiv oder extensiv. Es handle sich um einen ganz anderen Start, um eine andere Industrie, die innerhalb der Landwirtschaft ebenso verschieden ist, wie die Schuhvon der Kleiderfabrikation. Gewiß, dies ist vielleicht richtig; aber die Landwirtschaft unterscheidet ja gerade ihre verschiedenen P r o d u k t i o n s ,g e b i e t e nach dem Grad ihrer Intensität, und darüber hinaus, auch innerhalb der verschiedenen Produktionsgebiete sind die Grade der Intensität verschiebbar. Intensität bedeutet ein Verhältnis, nämlich die Menge

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