Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Erziehung zur Wirtschaftsgesinnung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
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118 Programm 'aufstellen. Aehnliches gilt natürlich vom Bezug ausländischer Waren. Anders steht es mit dem Problem der Qualität. Durch den Umstand, daß die meisten Industriellen hier mit Kapitalmangel zu kämpfen haben, daß noch immer die Industriebank fehlt, sind sie oft tatsächlich erst dann in der Lage, qualitativ Entsprechendes zu produzieren, wenn ihnen der Umsatz die Anschaffung von Spezialmaschiinen usw. ermöglicht. Andererseits liegt auch in der Antwort des Konsumenten große Berechtigung. Um hier einen Ausgleich zu schaffen, wäre die Bildung einer gemeinsamen Kommission von Vertretern der Produzenten und Konsumenten wünschenswert, die die Berechtigung der vom Industriellen vorgebrachten Erklärung ständig zu prüfen hätte und durch entsprechende Publikationen das jeweils zu Recht bestehende nationale Interesse unterstützen müßte. Diurch Referenden der Konsumenten könnte andererseits der Industrielle .die Wünsche des Publikums kennen lernen. Diese Aufgaben müßten von autorativer Stelle durchgeführt werden. In erster Linie wird das mit der Sorge für die städtische Kolonisation betraute Mitglied der Exekutive hier die Initiative zu ergreifen haben. Von dieser Stelle wird auch eine ,,Tozereth-Leumiith'4-iBewegung auf breitester Basis zu inaugurieren sein. Es wird eine öffentliche Meinung durch entsprechende Propaganda .zu erziehen sein. Den Rückhalt in dieser Hinsicht muß d i e Gruppe der Bevölkerung bilden, von der der nationale Gedanke am stärksten repräsentiert wird: die Lehrer- und Beamtenschaft. Es wird bei uns wohl kaum nötig sein, diese Gruppe mit dbr Drohung der Disziplinierung zur Förderung der nationalen Produktion zu veranlassen, wie es in Italien geschieht. Von den Schulen aus wird die Propaganda weiter zu tragen sein in die Familie. Kinder sind eine ganz ausgezeichnete Terrororganisation und »zusammen mit der Presse dürfte eine solche Aktion bald zum Ziele {führen. Wird so Produzent und Konsument im Rahmen einer nationalen Wirtschaftspolitik erfaßt, so kann es auch nicht schwer sein, den Zwischenhändler in diesen Rahmen einzufügen. Man muß Geschäften, die vor allem nationale Produkte verkaufen, das Recht geben, auf ihren Schildern ein besonderes Zeichen zu führen. Diese Geschäfte unterstellen sich der Kontrolle einer von offizieller Stelle ernannten Kommission, in der auch die Vertrauensleute der . Händler vertreten sein sollen. Durch Benützung all. dieser Mittel und Methoden, die hier nur angedeutet wurden, dürfte bald das Versäumnis gutgemacht werden, daß wir bis jetzt eine aktive Handelspolitik im Rahmen unseres Programm es als überflüssig ansahen. Durchaus falsch ist es, von dem Krämer aus dem kloinen (Neste Polens oder Rußlands zu verlangen, er möge bereits mit einer neuen Wirtsehaftsmoral hier landen. Nur im Lande. selbst kann diese Atmosphäre erzeugt werden, die zu einer Wi r t s c h alt s ge s i n n u n g e r z i e ht.