Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Erziehung zur Wirtschaftsgesinnung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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119; Diese Wirtschaftsgesinnung darf sich jedoch nicht auf den Inhalt des Handels beschränken, sondern muß sich auch auf die Formen erstrecken. Auch hier, wird eine Erziehungsarbeit durch öffentliche Meinung geleistet werden müssen. Negativ wird diese darin zu bestehen haben, daß man das Publikum .davor warnt, dort zu kaufen, wo nicht Fliegennetze über gewissen Waren liegen, wo es dem Publikum nacht verwehrt ist, die Ware mit Händen zu berühren, wo nicht alles sauber gehalten ist. Vor allem wird das Bedürfnis nach solchen Verhältnissen in einem großen Teil des Publikums wachzurufen sein und es wird dieser Teil des Publikums vom anderen Teil zu terrorisieren, zum Verlangen nach Sauberkeit zu zwingen sein. Positiv wird man durch Schaufensterkonkufrenzen „Innendekorationspreise4' für schön gehaltene Läden langsam ein Gefühl für Aesthetik des Ladens wachrufen. Daß auch in dieser Hinsicht der Schule eine große Aufgabe obliegt, braucht nicht erwähnt zu werden. Wesentlich schwerer wird es sein, Kaufmann und Publikum an feste Preise zu gewöhnen. Schwerer deshalb, weil nebenan in Jaffa der arabische Kaufmann. sich oft mit 25 Prozent des verlangten Preises zufrieden gibt. Dennoch wird man langsam auch hier Erfolge erzielen, wenn man den Kindern in der Schule klar macht, 'daß das Feilschen eine Galuthgewohnheit sei, daß der Araber uns hier kein Muster sein darf, daß im Aufbau Palästinas kaufmännische Korrektheit und Seriosität auch eine Form der Chaluziuth wären. •Die Geschäfte selbst, die sich Preisprüfungskommissionen zu unterstellen, die von diesen Kommissionen gebilligte Tarife auszuhängen hätten, wird man durch öffentliche Reklame, durch Zuführung der nationalen'Käuferschaft gewinnen können. Die Erziehung zur Wirtschaftsgesinnung kann nicht die Sache einzelner sein. Die werden immer als verrückt angesehen und gefragt werden, warum sie nach Palästina gekommen seien, wenn es ihnen nicht „so" passe. Sie kann nur durch die breiteste Oeffentlichkeit erfolgen. Die Erziehung wird auch nicht von heute auf morgen gelingen. Aber jeder Tag ist verloren, den wir später beginnen. Die Bedeutung und Aufgabe der landwirtschaftlichen tooperatiyen Arbeitergesellschaft „Nir" Von Dr. Walter Preuss, Tel-Aviv. Trotz aller Mängel und Hindernisse, die weniger im Wesen der Sache als in den Bestimmungen des Aufbaues liegen, nähert sich die erste Epoche des landwirtschaftlichen Siedlungswerkes, das nach dem Kriege von der „Zionistischen Organisation" begonnen wurde, ihrem Ende; wir stehen in diesem und im nächsten Jahre endlich vor der Tatsache, daß im großen und ganzen alle 40 Siedlungen (die einen schon in diesem Rechnungsjahre, die