Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Erziehung zur Wirtschaftsgesinnung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 3)
- Language
- German
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117 Fabrikanten zu helfen, statt ihm durch Vergrößerung des Absatzes zur Anschaffung neuer Maschinen und so zur Verbesserung der Qualität zu verhelfen, sein Geld lieber ins Ausland schicke. Das Publikum aber sagt dem Fabrikanten, es werde seine Ware kaufen, wenn sie gut sei. Und dieser Ansicht hat vor einigen Tagen asuch der neue Inhaber der „Raanan^-Schokoladenfabrik .recht gegeben, als er durch die Zeitung verlauten ließ: „Kauft meine Ware nur, wenn sie qualitativ und im Preis mit der importierten konkurrieren kann." Auf diesen circulus viäosus , werden wir noch zurückkommen. Aehnlich wurde auch der andere Einwand beantwortet. Die jüdischen Arbeiter, die heute bei nicht jüdischen Firmen beschäftigt sind, und noch weit mehr könnte die jüdische Industrie beschäftigen, wenn ihr Absatzgebiet größer wäre. Wie liegen nun faktisch die Verhältnisse? Wonach soll sich der national denkende Konsarment richten? Soll er seiner Gesinnung wegen minderwertigere Ware für dasselbe Geld kaufen, für das er bessere erhalten könnte? Hieße das nicht auch, ökonomisch falsch handeln, wenn man eine gesunde Konkurrenz, die zur Verbesserung und Verbilliigung führt, ausschaltet, wenn man sich aus politischen Erwägungen den vielleicht diese Parole ausnützendien Fabrikanten ausliefert? Aus diesem Für und Wider, aus diesen Zirkelschlüssen gibt es nur einen Ausweg: Beurteüung aller Fragen unter dem Gesichtspunkt des größten nationalen Interesses. Das nationale Interesse steht heute auf selten des jüdischen Unternehmers. Es muß hier über die Wichtigkeit, die der Industrie für Palästina zukommt, kein Wort verloren werden. Und deshalb kann - äilen Einwänden .«ailir bedingte Richtigkeit zuerkannt werden. So vor allem dem Einwand mit den Arabern. Es ist anderthalb Jahre her, daß Arlosoroff in einem ausgezeichneten Artikel in der „Jüdischen Rundschau" an dem Beispiel Tel-Awiws gezeigt hat, wie der Wohlstand der;arabischen. Siedlungen diirch den neuen Markt gestiegen ist. Wir sehen heute, daß eine Industrie, die im Ausland großenteils in jüdischen Händen ist, die Zigarettenindustrie, hier fast ganz arabisch ist/ Vierzehn arabischen steht eine jüdische Fabrik gegenüber. (Eine zweite ist kaum nennenswert.) Eine arabische Zündholzfabrifc ist in Jaffa entstanden. (Sie arbeitet nebenbei mit Mitteln, die in allen Kulturstaaten als unlauterer Wettbewerb, respektive als Verletzung des Markenschutzes bestraft würden.) Und wie berichtet wird, sollen bereits junge Araber als Volontäre nach Chemnitz gehen. Es genügt nun vollends, wenn der Jude vom Araber Boden und Bodenprodukte kauft und auf lange Sicht kaufen wird. Es ist nationale Pflicht, zu sorgen, daß darüber hinaus das Geld im eigenen Wirtschaftskreis verbleibt und womöglich auf manchem Wege wieder ein Teil des hinausgegangenen Geldes zurückfließt. Selbst die weitherzigste Wirtschaftspolitik kann ohne schwere Schädigung der eigenen Wirtschaft kein anderes