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Palästina · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Industrie und Majorität
Date
1927-01-01
Page
Seite 100 (sequence 9)
Language
German
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100 dens - .gutist („Nesher"). Und außerdem können es noch einige Betriebe, deren Waren wegen besonders hoher Zölle oder aus anderen Gründen erheblich billiger sind, als die fremden Erzeugnisse. Wäre es wirklich ein-Beweis für die mangelnde Aufnähmsfähigkeit Paläsfäüasund 'seiner Nächbärländer, wenn unter solchen* Umständen die Industrie in Palästina zusammengebrochen wäre?: Aber sie äst gar; nicht zusammengebrochen, sondern sie hält sich, praktisch von niemandem unterstützt, mit einer seltenen Energie über Wasser, mit einer Energie, .die der dreimal verdammten werten Alijah, den „unidealistischen reaktionären Mittelständlem", oder der Eignung dieses 'Landes für Industrie alle Ehre macht. Es ist richtig, daß viertündneunzig kleine Betriebe während der Krise geschlossen wurden. Aber in dem gleichen Zeitraum wurden weit über hundert neue aufgemacht. Das beweist sicher nichts .für eine industrielle:" Blüte, aber 'sieht" es sehr nach Zusammenbruch aus? . . . In der Landwirtschaft besteht allerdings das Marktproblem —* wenn ihr nämlich nicht, gerade umgekehrt, als man esbeiuns annimmty die Industrie vorausgeht. Denn während die industrielle Produktion eine L ü c k e ausfüllt und sich ausländischen Waren substituiert, da nämlich eine inländische Fabrikation noch nicht besteht, während sie sich ferner in der ige schilderten Weise dank der Arbeitsstdtag automatisch in der Industrie und der durch sie ermöglichten Stadtbevölkerung ihren Markt dauernd erweitert, tritt die Landwirtschaft, besonders in der heute beliebten Form' der gemischten Wirtschaft, zu einer bereits vorhandenen und ausreichenden Inlandsproduktion hinzu, füllt sie nicht ein Vakuum aus, sondern drängt sich in einen schon gefüllten Räum hinein. Wenn das heute noch nicht in aller Heftigkeit fühlbar ist (oder vielleicht heute nic h t meh r), dann wegen des so häufig kritisierten „Mißverhältnisses" zwischen' unserer Stadt- und unserer Landbevölkerung, Weil die starke städtische Einwanderung dem Markt für Agrar-' Produkte weitere Grenzen gesteckt hat. Wie aber soll es bei einer überwiegend agrarischen Kolonisation'werden? Es gibt nur eine Antwort darauf : Export. Und ich glaube allerdings, daß ein Export von laindwirtsChaftlichen Produkten aus Palästina möglich ist. Aber er ist viel schwieriger als der Export von Industriewaren, weiler nicht nach den agrarischen Nachbarländern gerichtet sein kann- (abgesehen von wenigen Ausnahmen), sondern die weite Entfernung nach Europa zurücklegen muß, und weil er dort die Konkurrenz geographisch günstiger gelegener Länder zu überwinden hat. Es hat schließlich zwanzig Jahre gedauert odeir gar noch mehr, bis wir der Jaffa-Orange einen Markt eroberten—' noch nach dem Kriege lag das Geschäft so danieder, daß .man für einen Betrag, den der Pflanzer heute für seine Ernte bekömmt, fast seinen ganzen' „Pardes" kaufen könnte. Ich hoffe, es wird nur fünf Jahre dauern; wenn wir einigermaßen vernünftig vorgehen, bis wir mit anderen Exporterzeugnissen, sagen wir Frühgemüse, so weit sein werden.

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