Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Industrie und Majorität
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379861-2383842--04789-2384012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
101 Aber fünf Jahre sind für /uns, die wir mit der Uhr in der Hand arbeiten müssen, eine unersetzliche Zeit — meines Erachtens die Hälfte der Frist, die uns zur Erreichung, der Majorität noch übrig bleibt Und selbst \yenn das gelingt — ist es dann schon erwiesen, daß der Landwirt von dem Ertrag .seiner Wirtschaft wird leben können? Vergessen wir nicht, daß es uns bis heute noch nicht; gelungen ist, außer ideai Orangerien einen Wirtschaftstyp in der Landschaft zu finden, der seinem Besitzer seine Existenz sichert. In den .seltenen 'Fällen, — es sind bezeichnenderweise wenige Ausnahmen —wo das doch v der Fall ist, beruht es auf einer bestimmten t und .unsicheren Konjunktur. Mit anderen Worten, wir haben noch kein in der Praxis erprobtes Mittel gefunden, das es dem Bauer ermöglicht, bei den heutigen Weltmarktpreisen seine Produktionskosten auf ein Niveau herabzudrücken, bei dem er existieren kann, ohne daß er zu einem anderen Wirischaftstypus^ übergeht, nämlich der Orangerie. Aus diesem Grunde ist bis heute der „Pardes" das einzige mögliche Betätigungsfeld für das Privatkapital in der Landwirtschaft — ein aus geographischen Gründen sehr beschränktes Feld, auf dem seine Betätigung, wenn sie .sich hoch weiter auch mir in dem bisherigen Tempo ausdehnt* zu einer Gefahr für den ganzen Orangenbau «elbst werden kann. Denn die Landwirtschaft ist für uns nicht nur ein Marktproblem und, wie hier eben gezeigt wurde, ein w i r t s c h a f 11 i c fa e s, sondern auch ein technische s P r o d u k t i o n is p r o b 1 e m. Wir verstehen ja ihre Technik noch gar nicht und müssen sie erst erlernen. Und bei den Orangen scheint es sich schon anzukündigen, daß ihr gesteigerter Anbau durch Leute, die nichts davon verstehen, die ganze ^Branche" in Gefahr bringt Denn »wie der ,J5awar" meldet, hat sich bereits gezeigt, daß sie teilweise schon in einer schlechteren Qualität auf -den englischen Markt kommen, und ihr Ruf hat dadurch bereits gelitten ... * Wenn aber Privatkapital heute in der Landwirtschaft nicht investiert werden kann, abgesehen .von den Orangenpflanzungen, und wenn seine rasche Investition in ihnen diese Pflanzungen selbst in Gefahr bringt, dann müssen wir im Interesse einer möglichsten Beschleunigung unserer Kolonisation den Weg. der Industrialisierung gehen, die landwirtschaftliche Siedlungsarbeit auf ein Minimum ein- , schränken und alle unsere, ach so wenigen Mittel darauf .konzentrieren, der Industrie das nötige Betriebs- und auch Anlagekapital izu geben. Wir müßten es, selbst wenn es wirklich noch mehr landf Wirtschaftliche. Arbeitszweige gäbe; in^d^nen das -Privatkapital: mit Nutzen, das heißt mit einer angemessenen Verzinsung arbeiten kann. . Denn das Industriekapital hat einen schnelleren Umschlag, es würde selbst in'Palästina im Durchschnitt, vorsichtig gerechnet, alle zwei Jahre zu der kreditgebenden Instanz zurückkehren,und so auch fcchon während der ersten zehn Jahre unserer 'Kolonisation, der Periode, von der ihr Schicksal abhängt, dauernd, weiterarbeiten,