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Palästina · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Industrie und Majorität
Date
1927-01-01
Page
Seite 99 (sequence 8)
Language
German
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99 foaißutigsvatle Anfänge, die ein Wegweiser für die Verikaufsrichtung unserer Industrie sind — wenn wir erst eine haben werden. Und_ liier komme ich zu einem. Hauptpunkt: Wenn man fragt, warunv sich auf dem Binnenmarkt wie im Außenhandel die Existenz unserer Industrie noch so wenig bemerkbar macht, dann deswegen, weil wir noch kaum eine haben, nämlich noch, kaum eine fertig installierte. In der Statistik des Industriedepartements der Zionistischen Exekutive finden sich zwar annähernd sechshundert 'Fabriken verzeichnet, »aber die von ihnen, die im europäischen 'Sinne fix und fertig sind — und nur solche kommen für die Eroberung des Marktes, gerade an der Levante, ernsthaft in Betracht — die ikann man an den Fingern einer Hand aufzählen. Alle übrigen haben entweder kein Betriebskapital und können nur mit Unterbrechungen und Irgendwie — und zu welchen Zinsen! — zusammengepumptem Geld arbeiten (selbstverständlich in den meisten Fällen nur mit einem Bruchteil ihrer Produktionskapazität) oder ihr Kapital hat nicht einmal ausgereicht, um /ihre maschinelle Einrichtung zu beenden, und in manchen Fällen handelt es sich um Unternehmungen, die zu klein sind, um auch nur einen erheblichen Teil des Inlandsbedarfes zu decken. Es ist in. der Praxis gerade umgekehrt, als man es gewöhnlich annimmt: Das Problem unserer Industrie ist nicht der M a r k t, sondern die Produktion, nicht die Beschränktheit der Nachfrage, sondern die des Angebots. Jeden Fabrikanten, mit dem ich sprach, hörte ich klagen: „Wenn ich nur Geld genug hätte, um das herzustellen, was verlangt wird." Daß er es nicht hat, liegt an der bekannten Tatsache, daß er aus den europäischen Inflationen wohl allenfalls noch gerade genug Geld gerettet hat, um eine leidliche Maschineneinrichtung aufzustellen, daß er aber bestimmt nicht mehr Mittel genug hatte, um die nötigen Betriebsmittel aus -ihnen bestreiten zu können. Betriebskapital ist -aber im Orient die conditio sine qua non, mehr noch als in Amerika öder Europa. Denn erstens gibt es in diesen armen Ländern keine Institute, bei denen man es borgen kann, und zweitens ist dem Händler bei seinem meist sehr großen Kapitalmangel die Länge des Kredits, den er vom Fabrikanten erhält, wichtiger als der Preis, wenn die Differenz nicht allzu groß ist. Man muß sich doch daran erinnern, daß die europäischen Länder besondere staatliche Maßnahmen getroffen haben, um ihren Industrien die Gewährung großer Exportkredite zu ermöglichen, und ich möchte bezweifeln, ob deren Wirkung sich irgendwo wirksamer zeigt als auf den Märkten des Nahen Ostens, wo selbst für Gegenstände des täglichen Bedarf es'Kredite von einem halben Jahr keine Seltenheit sind. (Und ein halbes Jahr heißt in der Praxis wegen der langen Transportdauer siebenundeiinhalb Monate.) Aus diesem Grunde kann nur das halbe Dutzend wirklich gut fundierter Unternehmungen mit der Auslandskonkurrenz Schritt halten, indem es nämlich entweder aus eigenen Mitteln ebenfalls lange Kredite gewährt oder weil die Qualität seiner Waren beson-

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