Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Industrie und Majorität
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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97 fähigkeit des inneren Marktes auf Grund des heutigen Warenimports natürlich außer Ansatz bleiben mußte.) Mit anderen Worten, man könnte bei einer so vorsichtigen Schätzung, wie sie hier gemacht wurde und wahrscheinlich hinter -der Wirklichkeit zurückbleibt, unter den heutigen Verhältnissen die Produktionskapazität der Industrie annähernd verdreif achen, .um die augenblickliche Aufr nahmefähigkeit des inneren Marktes bis zu ihrer Grenze auszunützen., Die Beschäftigung. von 11.000 neuen Arbeitern bedeutete aber selbst nach den pessimistischesten Berechnungen das Ende der Arbeitslosigkeit, bedeutete, daß der heute am meisten notleidende Kaufmann -und Handwerker wieder Kunden bekäme, bedeutete damit , das Ende der Krise überhaupt. Die Kaufkraft des Landes würde um die Bedürfnisse dieser elf tausend steigen und einer städtischen Einwanderung Platz machen. Das ist keine Theorie, sondern durch die Praxis bewiesene Tatsache: auch in Deutschland gab es, um bei dem Beispiel zu bleiben, von dem wir ausgingen, eine solche automatische Erweiterung des städtischen Marktes und in ihrem Gefolge eine dauernde „städtische Einwanderung", nämlich vom Dorfe her — man nannte sie dort daher negativ „Landflucht".—, und ihre Triebkraft war dieselbe, die bisher auch noch in Palästina besteht: die ünrentabilität der Landwirtschaft. Die Ziffern darüber wurden schon oben angegeben. Es gibt hiergegen, nämlich gegen die Anwendung allgemein .gültiger Wirtschaftsgesetze, ein beliebtes psychologisches Argument, nämlich: „Bei 'unseren kleinen Verhältnissen", soll heißen: „so etwas ist wohl in Deutschland oder in Amerika möglich, aber hei uns ....?" Palästina befindet sich aber — die Erinnerung daran ist vielleicht ganz zeitgemäß — nicht auf dem Mond, sondern auf der Erde, und ist allen den 'Wirtschaftsgesetzen 'unterworfen, die für alle Länder der Erde gelten — auch denen, die in den größten wirksarn sind. Was sich dadurch ändert, daß es ein kleines Land ist, das ist die Größe der statistischen Ziffern, nicht ihre Bewegungstendenz. Wenn in Europa der Getreidebau (ohne Schutzzölle) wegen der australischen Konkurrenz mit wenigen Ausnahmen unmöglich ist," dann ist er in Palästina bei der geringeren Ertragsfähigkeit seines Bodens nicht deswegen möglich, weil es ein kleines Land ist, sondern alles, was >sich dadurch ändert, ist, daß man bei uns nur mit Zehntausenden rechnen darf (selbstverständlich oeteris paribus), wo man in Europa und Amerika mit Millionen rechnet. Wir haben, unabhängig von der Bevölkerungszahl unseres. Landes, die gleiche Ihdustrialisierungsmöglichkeit wie jedes andere Land mit noch so großer Bevölkerung, nur wird bei uns die Verschiebung des Verhältnisses zwischen Land- und Stadtbewohnern nicht nach Millionen gemessen werden (weil nämlich in ganz Palästina keine Million Menschen lebt, aber auch nur deswegen), sondern nach! Zehn- und Hünderttausenden. Das ist der ganze Unterschied. Aber außerdem wird der große Irrtum begangen, die Grenzen des politischen Palästina mit denen des wirtschaftlichen zu iden-