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Palästina · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Industrie und Majorität
Date
1927-01-01
Page
Seite 94 (sequence 3)
Language
German
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94 wäre? Es hätte doch in «dieser Zeit eine ununterbrochene Krise herrschen müssen, da der Markt für Industrieprodukte dauernd kleiner wurde^Aber vielleicht war die Kaufkraft der 28 oder 27 Prozent so stark gestiegen, daß sie die ganze vermehrte Industrieproduktion aufnehmen konnte? Im Jahre 1910 machte der Wert der landwirtschaftlichen Produktion nach einer Schätzung des Bundes der Landwirte etwa 11 Milliarden Mark aus, die industrielle Produktion repräsentierte bereits im Jahre 1905 36 Milliarden Mark, dm Jahre 1913 54 Milliarden Mark, sagen wir also im Jahre 1910 das Vierfache der landwirtschaftlichen Erzeugung. Die Landwirtschaft konnte also damals nur 25 Prozent der industriellen Produktion kaufen, der Rest mußte wo anders untergebracht werden. Wo anders — das heißt aber im wesentlichen in der Industriebevölkerung selbst. Denn der Export nahm nur etwa 13 Prozent der 'Industrieerzeugnisse auf und die weder in der Industrie noch in der Landwirtschaft Erwerbstätigen und die Berufslosen machen nur 27 Prozent der 'Gesamtbevölkerung aus. Faßt man d i e städtische Bevölkerung als Qanzes zusammen, dann ergibt sich, daß sie schon damals 62 Prozent der gesamten industriellen Produktion des Inlandes aufnahm, die Industrie allein ungefähr 35 Prozent. Seither hat sich das Verhältnis noch mehr zuungunsten der Landwirtschaft verschoben. Denn nach der neuesten Berechnung . des Völkerbundes in seinem „Memorandum über Industrie und Handel" ist die Erzeugung* von Nahrungsmitteln von 1913 bis 1925 um 13 Prozent gestiegen, die von industriellen Rohstoffen, die in gewisser Weise für die Produktion industrieller Fertigfabrikate symptomatisch ist, dagegen um 25 Prozent. Was folgt daraus, besonders wenn man bedenkt, daß das Deutschland von 1910 noch nicht das typische Beispiel eines Industriestaates war (es vielleicht heute noch nicht ist)? Daß die Stadt selbst der Hauptabnehmer ihrer Produktion ist und die Landwirtschaft nur ein beschränktes Aufnahmereservoir dafür bildet. Und diese Folgerung wird noch schlüssiger, wenn iman in Rechnung stellt, daß die Landwirtschaft in dem oben angeführten Beispiel in Wirklichkeit für einen noch geringeren Betrag Industrieprodukte aufnahm. Denn die 11 Milliarden stellten ihre Gesamteinnahme dar, die zum Teil gespart, zum Teil zum Ankauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse (Saatgut, Vieh) verwendet wurde. Und da der Anteil des Exports am Absatz der industriellen Produktion feststeht, ergibt sich daraus, daß die Stadt selbst in Wahrheit einen noch viel größeren Prozentsatz ihrer eigenen Produktion aufnahm. Und hiebei muß man auch noch berücksichtigen, daß viele Industrieerzeugnisse landwirtschaftliche Spezialartikel darstellten, so landwirtschaftliche Maschinen >und Geräte «und Kali. „Im Lichte der Wirklichkeit" ist also nicht die Landwirtschaft das „Hinterland" oder die Basis oder wie man es sonst bezeichnen will, der Industrie, sondern die Stadt, und zwar vor allem die Industrie selbst,

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