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Palästina · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Industrie und Majorität
Date
1927-01-01
Page
Seite 93 (sequence 2)
Language
German
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93 Gemüse aufessen, ebenso wie ihre Ochsen, und sich damit -am Leben »erhalten. Aber die Industrie kann doch nicht in ähnlicher Weise ihre Strickjacken oder ihre Taschentücher verwenden, sie muß riot^ gedrungenerweise verhungern, weil »sie nichts zu essen hat Daher ist die Landwirtschaft die „solide Grundlage" (daher: weil sie nämlich den notwendigsten physischen Lebensbedarf deckt), und sie muß, wenn beide Partner nicht zur gleichen Zeit auftreten können, zuerst da sein. Die Industrie kann erst hinterher kommen. Wenn man sich schon von der Partneridee nicht trennen kann, soll man sie wenigstens soweit der Wirklichkeit anpassen, daß man istatt zwei Individuen zwei einander gegenüberstehende Gruppen als Gleichnis nimmt, von denen die eine aus den verschiedenen Fabrikationen besteht, die zusammen die Industrie eines Landes bilden, und die andere aus Getreidebau, Gemüsegärtnerei, Molkerei und den übrigen Zweigen der Landwirtschaft. Dann wird man wenigstens leichter verstehen, daß man nicht zwei völlig verchledene Dinge durcheinandermengen darf, nämlich Bedarfsdeckunig und Absatz. Zur Bedarfsdeckung ist die Industrie in der Tat auf die Landwirtschaft angewiesen: erstens weil sie einen großen Teil ihrer (Rohstoffe von ihr .bezieht und dann weil die Leute, die in der Industrie arbeiten, ihre 'Nahrungsmittel von ihr erhalten müssen. Dazu ist es jedoch nicht nötig, daß jedes Land eine Landwirtschaft hat: es genügt zum Beispiel, wenn in irgend einem Bezirk der Erde so viel Getreide erzeugt wird, wie die ganze übrige Welt braucht. Aber für den Absatz braucht die Industrie die Landwirtschaft keineswegs. Die einzelnen Angehörigen der komplexen Gruppe „Industrie" können ihre Waren durchaus untereinander tauschen; der Schuhfabrikant mit dem Weber und der Weber mit dem Stricker 'und der Stricker wieder mit dem Schuhfabrikanten. Selbstverständlich wird dann — nämlich wenn keine Landwirtschaft besteht — der Umfang der ganzen Gruppe kleiner sein müssen. Sie wird nicht diejenigen Fabrikationszweige umfassen können, die Spezialartikel für die Landwirtschaft herstellen, in erster Reihe also keine ,^Fabriken landwirtschaftlicher Maschinen", sie wird auch im übrigen "kleiner sein müssen (wenn auch nicht allzu erheblich), als wenn sie 'den Personalbedarf der Landwirte mitzudecken hätte — aber existieren und gute Geschäfte machen kann sie trotzdem. Prüfen wir den „Tatbestand" ,an Hand von Ziffern. Die landwirtschaftliche Bevölkerung Europas (und natürlich auch Amerikas, wahrscheinlich der Erde überhaupt) ist schon vor dem Kriege im Vergleich zur Industrie dauernd zurückgegangen, während gleichzeitig der allgemeine Wohlstand sich stark vergrößerte. In Deutschland betrug der Anteil der in der Landwirtschaft Berufstätigen im Jahre 1882 42,5 Prozent, im Jahre 1907 28,7 Prozent, bei Kriegsausbruch etwa 25 Prozent. In diesen Jahren ist der Reichtum Deutschlands ungeheuer gewachsen. Wie wäre das möglich, wenn die Industrie zum Absatz auf die Landwirtschaft -angewiesen

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