Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Boden- und Siedlungspolitik
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379861-2383841--04777-2384002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
91 gestatten, höhere Preise zahlen kann. Von dem Standpunkt der reinen „Geulath-Haarez" allerdings ist der Erwerb solcher Böden wenig zu empfehlen, da die Dunamzahl gezwungenermaßen geringer sein muß. Wir glauben aber, daß die höheren Preise durch bedeutendere Siedlungsmöglichkeiten .und größere Dichte der Bevölkerung, die auf solchen Ländereien möglich ist, zu rechtfertigen ist. Wenn dadurch eine größere Anzahl Menschen mit dem Boden verbunden wird, kann auch ein höher bezahlter Preis eine rentable Geldanlage bilden. Zusamenfassend wäre es notwendig, daß der Keren Kajemeth in sein Programm — und nicht bloß in der Theorie, sondern in seine praktische Tätigkeit — das Prinzip aufnimmt, Bodenreserven unter dem Gesichtspunkt der Siedlungspölitik zu schaffen. Diese Bodenreserven müssen gebildet werden: a) in der Nähe der Städte mit rein jüdischer oder mit gemischter Bevölkerung; b) in der .Nähe von rein arabischen städtischen Zentren; c) in der Nähe der bestehenden jüdischen Kolonien; d) in der Nähe der neuentstehenden jüdischen Zentren städtischen oder dörflichen Charakters, wie Afule, Herzliah, Magdiel usw. Ueberall, wo jetzt oder in der Zukunft Arbeitsgelegenheiten vorhanden sein werden und jüdische arbeitende Massen Wohn¬ oder Arbeitsstätten brauchen werden, muß der . Keren Kajemeth in weiser Voraussicht Böden besitzen. Das wird die Ausführung großzügiger siedlungspolitscher Pläne ermöglichen, die jüdische Arbeit sichern, den jüdischen Mensclien den Weg zur Seßhaftmachung erleichtern und auf diese Weise zur Hauptaufgabe — der Bildung einer jüdischen Mehrheit im Lande auf schnellstem Wege — beitragen. Das würde auch weitgehende bodenpolitische Folgen haben im Sinne der Regulierung der Bodenpreise, der Eindämmung der Bodenspekulation usw. Die tiefen Zusammenhänge zwischen der Boden- und Siedlungspolitik dürfen nie aus den Augen verloren gehen. Es soll aber daraus keinesfalls die Konsequenz gezogen werden, die Boden- und Siedlungspolitik im engen finanziellen Sinne zu verbinden, wie es diejenigen tun, die sagen: wenn wir keine Mittel haben, um die Ansiedlung zu bestreiten, so dürfen wir auch keinen Boden erwerben, und die Mittel für den Bodenkauf mögen lieber für die dringenderen Siedlungsarbeiten verwendet werden. Es gibt nichts Falscheres als diese enge Auffassung. Bödenpolitik wird nicht unter dem Gesichtspunkt des heutigen Tages, eines oder einiger Jahre geführt, sondern unter ganz großen Aspekten und weitem Horizont. Bodenreserven schaffen, ist immer notwendig, weil sie die Grundlage einer Bodenpolitik ebenso wie .einer Siedlungspolitik überhaupt sind, die keinesfalls von der momentanen Gestaltung der Dinge und gewiß nicht von den finan-