Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Boden- und Siedlungspolitik
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Miellen Verhältnissen abhängig gemacht werden können. Bodenpolitik eines Landes muß auf Jahrzehnte, wenn nicht noch auf länger hinaus berechnet sein. Weise ist derjenige, der den morgigen und übermorgigen Tag schaut und sich für ihn rechtzeitig vorbereitet. Industrie und Majorität. Von Ernst Davis, Jerusalem. Vorbemerkung .der 'Redaktion: 'Nachstehender Artikel war (ursprünglich als Polemik gegen W. Weisgal, Sekretär der Zionistischen Organisation in Amerika, gedacht, der .mach seiner Balästiniaredse erklärt hatte, daß -auf dem Wege »der Industrie keine Massenikoiloniisation möglich sei und es .nottue, das landwirtschaftliche Hinterland von Tel-Awiw m. stärken. Infolge der Wichtigkeit der vom Verfasser entwickelten GesicihstpiUinkte bringen wir den Artikel etwas gekürzt uind mit (Hin w eglas sang der rein polemischen Stellen. I. Für den Warenmarkt existieren in der Praxis nicht die beiden gegenüberstehenden Gruppen: „Industrie" und „Landwirtschaft", zwischen denen sich der gegenseitige Güteraustausch abspielt, wie es die im Zionismus eingewurzelte und beinahe unausrottbare Vorstellung will. In der Praxis des Warenmarktes gibt es überhaupt nicht „Industrie" rund „Landwirtschaft", sondern Schuhfabriken, Strickereien, Webereien, Obstpflanzungen, Getreidegüter und Gemüsegärtner, die alle bunt durcheinander ihre Produkte austauschen. Und es ist durchaus nicht nötig, daß der Schuhfabrikant seine Schuhe an den Gärtner oder den Pflanzer oder den Gutsbesitzer verkauft: er kann sie genau so gut an den Strümpfstricker veräußern und alle Fabrikanten zusammen können zum Beispiel darauf verzichten, mit dem Gutsbesitzer Tauschgeschäfte zu machen, weil sie seine Waren vom Ausland billiger bekommen können, und sich damit begnügen, mit den beiden anderen Landwirten und unter sich selbst ihre Waren auszutauschen. Und schließlich können sie überhaupt alle Landwirte ausschließen und ihre Produkte nur untereinander oder gegen ausländische Agrar- 'produkte tauschen, wenn sie so wollen. In der inner zionistischen Diskussion pflegt man diese einfache, theoretisch wie praktisch feststehende Tatsache nicht zu sehen (und wenn man darauf hingewiesen wird, sie nicht :zu glauben), weil etwas, was Laden für ein volkswirtschaftliches Gesetz halten, den Hirnen der Zionisten ein Bild eingeprägt hat, in dem sich „Industrie" und „Landwirtschaft" .personifiziert als zwei Partner gegenüberstehen. Kann der eine nicht kaufen, weil er kein Geld hat, dann muß der andere zugrunde gehen, weil es sonst absolut niemanden gibt, dem er seine Waren verkaufen kann. Das heißt, der andere ist immer nur die „Industrie", .denn die „Landwirtschaft" kann ja 'schließlich ihr Getreide und ihr