Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Boden- und Siedlungspolitik
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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90 keit schließlich wir selber Schuld tragen. Wir haben nicht vorausgesehen, welch eminente siedlungspolitische Bedeutung die Entwicklung der großen jüdischen Kolonien bekommen kann, die die Reservoire für die Aufnahme neuer jüdischer Massen werden könnten. Unsere Bodenpolitik hat die Kolonien vernachlässigt, ebenso wie sie die Städte vernachlässigt hat. Wir selber haben uns die Hindernisse in den Weg gestellt, die beseitigt werden müssen, wenn man weiterschreiten will. Die Bodenpolitik des Keren Kajenielh muß aus den siedlungspolitischen Fortschritten in den Kolonien, dank der Vergrößerung des Bodenareals und der Bevölkerungszahl, die entsprechenden Konsequenzen ziehen und daraus lernen, daß in der Umgebung derselben größere Bodenreserven vorhanden sein müssen. Der Keren Kajemeth wird, um schon der allergrößten Not entgegenzusteuern^ sicherlich gezwungen sein, auch in den bestehenden Kolonien, wo er es bisher nicht getan hat, Böden zu erwerben, auch von Juden und auch zu höheren Preisen. Er wird dabei selbstverständlich die größte Vorsicht beobachten müssen, um wirklich nur das zu kaufen, was bei einer sachgemäßen und objektiven Beurteilung für die weitere Entwicklung der Siedlungsarbeit unentbehrlich ist Wir müssen zugeben, daß dabei die Gefahr besteht, das so notwendige Maß zu verlieren und Böden zu kaufen, die auch anderswo, nicht von Juden und nicht zu solch hohen Preisen gekauft werden können. Wir haben doch schließlich kein Interesse, mit den Volksgeldern die jüdischen Grundbesitzer zu bereichern, und müssen bei der gegebenen Situation, solange nichtjüdischen Böden noch auszulösen sind, Boden aus jüdischer Hand nur dann erwerben, wenn es keinen anderen Ausweg gibt und man nicht will, daß die Siedlungsarbeit Schaden leidet. Die Entwicklung unseres Siedlungswerkes wird uns in Zukunft jeden Tag vor ähnliche Probleme stellen, und es wäre klug, jetzt nachzuholen, was wir bisher versäumt haben zu tun: in der Nähe der jüdischen Kolonien größere Bodenkomplexe in den Besitz des Keren Kajemeth zu bringen. Man soll nicht aus dem Auge verlieren, daß die großen judäischen Kolonien oder ein Siedlungspunkt wie Hedera mit der Entwicklung des Orangenbaues, einer glänzenden Zukunft entgegengehen und sich in schnellem Tempo vergrößern werden. Es wird dorthin viel jüdisches Kapital fließen, und es werden große Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden; das alles bedeutet einen Zustrom von Arbeitenden in die Kolonien, unter der Voraussetzung, daß man ihnen die Ansiedlung ermöglicht. Dafür ist aber die erste Vorbedingung freier Boden. Ueberall, wo es Möglichkeiten einer intensiven Siedlungsarbeit gibt, müssen Reserven nationalen Bodens vorhanden sein. In solchen Fällen soll der Keren Kajemeth auch nicht scheuen, höhere Preise zu bewilligen, da man naturgemäß für Böden, die für intensive Kulturen geeignet sind und eine dichtere Ansiedlung