Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Boden- und Siedlungspolitik
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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89 Keren Kajemeth an solchen Erwerbungen kein Interesse. Aus dem Gesichtspunkt der „Geulath-Haarez" heraus, wollte man nicht Böden erwerben, die nicht so sehr zur Vergrößerung des jüdischen Bodenbesitzes beitragen — die Böden sind doch teuer und die Anzahl der ausgelösten Dunam dadurch selbstverständlich kleiner — als zur Vermehrung der Anzahl der jüdischen Arbeiter und zur Sicherung der Arbeitsgelegenheiten in den Kolonien. Der Keren Kajemeth. hat es unterlassen, in der Nähe der älteren Kolonien Bodenreserven zu bilden, die noch einst zu billigen Preisen zu bekommen waren;s und so stehen wir auch dort vor einer Situation, wo wir gar keinen nationalen Boden haben. Der Besitz des Keren Kajemeth in oder neben den alten Kolonien ist gleich null. Die paar Hundert Dunam, die in den letzten Jahren erworben wurden, sind zufälliger Natur und dienen zur Vergrößerung einiger kleiner Kolonien, wie Beer-Jakob oder Neß-Zionah. In der Nähe großer Kolonien aber, die als Reservoire für die Aufnahme der jüdischen Arbeit gelten können, besitzt der Keren Kajemeth so gut wie keinen Boden. Und wenn durch die Entwicklung der Dinge man sich doch gezwungen sieht, Böden zu erwerben, und da naturgemäß die für die Errichtung von Wohnstätten für die Arbeiter notwendigen Böden sich in den Kolonien selber befinden müssen, entstehen schwere Probleme, deren Lösung sich bei der Seßhaftmachung der jüdischen Arbeiter in den Kolonien schwere Hindernisse in den Weg stellen. Vor allem durch die hohen Preise, die für die Böden, die in den Kolonien selbst liegen, verlangt werden und die in Orten, wie Petach-Tikwah oder Rechoboth eine bedeutende Höhe erreichen. In Petach-Tikwah nimmt die Entwicklung derselben ein den Städten ähnliches Tempo an und erinnert in mancher Hinsicht an Tel-Awiw. Hätte eine richtige Bodenpolitik rechtzeitig für den Ankauf von Böden in der Nähe der bestehenden oder entstehenden jüdischen Kolonien gesorgt, stünde man jetzt nicht vor der Notwendigkeit, so hohe Preise zu zahlen. Es taucht hierbei ferner das Problem der Bodenkäufe aus jüdischem Besitz auf. Da die Böden, die für die Unterkunft der Arbeiter notwendig sind, wie gesagt, in den Kolonien selber und meistens in einer zentralen Lage gelegen sind, sind es Juden, von denen dieselben erworben werden müssen. Hierbei kommen Bedenken, die für die Vertreter der reinen „Geulath-Haarez" zu einem vollständigen Verbot, Boden aus jüdischer Hand zu erwerben, führen. Sie wollen unter keinen Umständen solche Böden kaufen, wenn auch darunter die Interessen der Kolonisation oder der jüdischen Arbeit schwer zu leiden haben. All diese Schwierigkeiten wären gar nicht aufgetreten, wenn man die siedlungspolitische Wichtigkeit eingesehen hätte, Bodenreserven um die alten Kolonien herum zu schaffen und jetzt genug Boden zur Verfügung hätte. Man hat oft das Gefühl, daß wir ganz hilflos vor einem unlösbaren Problem stehen, an dessen Unlösbar-