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Palästina · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 88

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Boden- und Siedlungspolitik
Date
1927-01-01
Page
Seite 88 (sequence 6)
Language
German
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88 Niederlassungsmöglichkeiten für Juden und deren Verwurzelung mit dem Lande. Um dies aber zu sichern, muß in der Nähe jeder Stadt, sei es eine jüdische oder eine gemischte oder sogar eine fein arabische — eine Bodenreserve vorhanden sein, die eine künftige Ansiedlung ermöglicht und Wohnstätten für die arbeitenden Juden bietet. Es muß mit Bedauern festgestellt werden, daß bei keiner der Städte des. Landes, sei es der alten oder neuen, der jüdischen oder arabischen, der Keren Kajemeth Boden besitzt. Und was Tel-Awiw gezeitigt hat, wird auch in anderen Städten, vor allem aber in der zukunftsreichsten des Landes — in Haifa, in Erscheinung treten, wenn die Bedingungen dafür einmal gegeben sein werden. Es wäre auch wichtig, in der Nähe von Städten, wo noch keine jüdische Bevölkerung vorhanden ist, Boden zu erwerben, um den Juden das Eindringen in die-Städte und die Gewinnung von wirtschaftlichen Positionen zu ermöglichen. Nablus und Djenin, Ramleh und Akko, Berschewa und Gaza — überall kann man Siedlungsmöglichkeiten für die Juden finden unter der Voraussetzung, daß man es versteht, in allen diesen Gegenden eine entsprechende Bodenpolitik zu führen. In diesen allen Fällen ist es die erste Bedingung für eine zweckmäßige Siedlungspolitik. Ganz ähnlich liegt die Sache in den älteren jüdischen Kolonien. Man weiß, welcher Kampf dort um die Durchsetzung der jüdischen Arbeit geführt wird. In den größeren Kolonien, wie Petach-Tikwah öder Rischon-le-Zion, Rechoboth oder Sichron-Jakob, Hedera oder Rosch-Pinah, arbeiten Tausende arabischer Taglöhner. Und als es nach vieler Mühe und Not, nach großen Entbehrungen und Anstrengungen der Arbeiter ihnen endlich gelungen ist, in größerer Anzahl in den Kolonien, wie z. B. in Petach-Tikwah, Fuß zu fassen, und es schien, der Lösung des Problems der jüdischen Arbeit in den Kolonien viel näher gekommen zu sein, stieß man an dieselbe Schwierigkeit wie im vorerwähnten Fall, nämlich an die Frage des Bodens. Die Frage der Sicherung der jüdischen Arbeit in den Kolonien ist eine weitere Illustration zu demselben Problem: einer Bodenpolitik, die siedlungspolitische Zwecke verfolgt. Um den Arbeitern die Existenz in den Kolonien zu ermöglichen, muß ihnen der Boden für ihre Wohn- und Unterkunftsstätten, für kleine Hilfswirtschaften für Gruppen oder Häusphen für Einzelfamilien zur Verfügung stehen. Dieser Bodejn ist aber nicht vorhanden. Auch hier liegt ein Verschulden in der Bodenpolitik des Keren Kajemeth. Das System, das wir einmal als reine „Geulath-Haarez" bezeichnet haben, im Gegensatz zu einer sozialen Bodenpolitik, läßt eben solche isiedtangspolitische (Momente außer lacht und will keinen Boden in der Nähe der Kolonien erwerben. Man beruhigte sich damit, daß die Kolonien schon selber für ihre Vergrößerung sorgen und die Juden dort mit eigenen Mitteln das Werk der Geulath-Haarez fördern werden, und deswegen habe der

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