Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Boden- und Siedlungspolitik
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379861-2383841--04772-2383997- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
86 Resultat, welches der Boden, eines der Mittel der Produktion, ergibt. Nicht die Anzahl der Dunam, die in jüdischen, ja sogar in nationalen Besitz übergegangen sind, wird das Land unser machen, sondern die Zahl der arbeitenden und produzierenden Menschen. Würde man sich vorstellen, daß durch ein Wunder der allergrößte Teil des freien Bodens Palästinas formell auf jüdischen Namen sofort übertragen sein würde, so wäre die Frage der jüdischen Heimstätte noch keinesfalls gelöst. Die entscheidende Frage des Aufbaues — das dürften wir nie vergessen — ist die Bildung der jüdischen Mehrheit im Lande. Der Weg dazu ist, daß vor allem eine Bodenpolitik verfolgt wird, die eine maximale Anzahl von Menschen mit dem Lande verwurzelt. Der Siedlungswert des Bodens und die Möglichkeiten, die er in sich birgt, jüdischen Menschen den Weg zur wirtschaftlichen und produktiven Betätigung zu ebnen, muß vor allem für unsere nationale Bodenpolitik in der Zukunft maßgebend sein. Legt man in erster Reihe Gewicht auf den Siedlungswert des Bodens, so ergeben sich für unsere nationale Bodenpolitik eine Reihe von zwingenden Konsequenzen prinzipieller und praktischer Natur. Das ist die Notwendigkeit, Boden zu erwerben, überall, wo es sich um .Siedlungsmöglichkeiten handelt, sowie auch Bodenreserven zu schaffen an jeder größeren Niederlassung im Lande, vor allem aber in der Nähe jüdischer Siedlungspunkte. Durch die Bildung eines größeren Zentrums wird eine Stätte von Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, die Raum für die Aufnahme neuer jüdischer Ansiedler gibt. Hier handelt es sich darum, diese Leute anzusiedeln, für sie Wohnstätten oder Arbeitsmöglichkeiten zu sichern. Darin ist auch eine der Ursachen der Notwendigkeit einer städtischen Bodenpolitik gegeben. Es war zum Schaden Tel- Awiws,, daß es keine Bodenreserven besaß, die den Tausenden von Arbeitenden in der Stadt hätte Niederlassungsmöglichkeiten bieten können. Es ist keine Uebertreibung, zu sagen, daß die jetzt •herrschende Krise viel schwächer aufgetreten wäre, wenn die Neueingewanderten oder die nach der Stadt geströmten arbeitenden Elemente nicht gezwungen gewsen wären, in der Stadt zusammengepfercht in unproduktiver Weise ihr Leben zu fristen, und sie einen Rückhalt in einer eigenen kleinen Wirtschaft auf einem eigenen Stückchen Boden in der Nähe -der Stadt gehabt hätten. Tel-Awiw würde wirtschaftlich ganz anders ausgesehen haben, wenn es von Vorstädten und kleinen Siedlungen umgeben gewesen wäre, wo die Leute auf einer kleinen Parzelle ihre Existenz gefunden, resp. sich ihren schweren Daseinskampf erleichtert hätten. Es gäbe sicher weit mehr Menschen, die, dank einer eigenen Stätte wirtschaftlich gestärkt, sich mit dem Lande eng verbunden fühlen würden. Der Mangel an Boden und die Bodenspekulation, die