Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1927-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 1-2
Article
Die Entwicklungstendenzen der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina
Date
1927-01-01
Page
Seite 57 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379858-2379860-2383516--04613-2383723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

57 andererseits aber zu den endlosen Kämpfen im Privatgewerbe, wo das ziemlich natürliche Bestreben der Unternehmerschaft, die Rentabilität auf Kosten der Arbeits- und Lohnbedingungen zu heben, kein genügendes 'Gegengewicht durch in entsprechend breitem Maßstab festgesetzte Bedingungen in den nationalen, beziehungsweise mit Unterstützung der nationalen 'Behörden aufgebauten gesellschaftlichen Betnieben findet. - Dies hat zum Teil natürlich seinen Grund in der Knappheit der unseren nationalen Aufbauinstituten — in erster Reihe dem Keren Ha-jessod — zur Verfügung stehenden Mittel. Insofern kann hier nur eine intensive Propaganda zur Stärkung der nationalen Fonds helfen, wobei unbeschadet der Bedeutung des ins Land strömenden Privatkapitals doch immer verstanden und betont werden sollte, daß .nationale Gelder für iDurchführung unseres Kolonisationswenkes ■ungleich /wichtiger sind. Aber auch in dem engen Rahmen unserer heutigen finanziellen Möglichkeiten wird viel zu wenig getan, um die gesunde Entwicklung des Aufbauwerkes zu sichern. Für die Landwirtschaft müßte unbedingt ein größerer Prozentsatz des Budgets vorgesehen sein, als es heute der Fall ist. Nur dann wird es möglich sein, das Netz der nationalen Betriebe weiter auszubauen, die zu Stützpunkten der Arbeiterbewegung im Land werden sollten. Wird aber nationales Kapital zur Förderung der Privatindustrie im Land verwendet, wogegen mit der im vorigen Satz erwähnten Beschränkung gewiß nichts einzuwenden ist, so müßte unbedingt die gleiche Stütze auch den gewerblichen Arbeitergenossenschaften in den Städten zugute kommen — zu denen auch der Solel-Boneh zu rechnen ist —, um ihnen zu ermöglichen, ihren Wirkungskreis auszudehnen und darüber hinaus auch neue Betriebe ins Leben zu rufen. Die Existenz einer größeren Zahl derartiger Genossenschaften sowie des Solel-Boneh und der landwirtschaftlichen Arbeiterunternehmungszentrale würde wohl genügen, um eine Stabilität der iLohnverhältnisse zu sichern und ein weiteres Herabgleiten des schon heute sehr niedrigen Lebensniveaus der Arbeiterschaft zu verhindern, dessen Folgen vom nationalen Standpunkt aus ganz unabsehbar werden könnten. Und schließlich noch eins, und zwar bei weitem nicht das mindest Wichtige: Im schweren Kampf, die die Arbeiterorganisation zur Sicherung von halbwegs annehmbaren Arbeitsbedingungen im Lande führt, darf sie nicht isoliert bleiben. Sie darf es in erster Reihe dort:, nicht, wo der. Kampf mit der palästinensischen Landesregierung auszutragen ist. Die Regierung hat heute den Gesetzgebungsapparat ganz in ihrer Hand und darüber hinaus beschäftigt sie in ihren verschiedensten Anstalten — in erster Reihe in der Eisenbahn — und in den durch sie ausgeführten öffentlichen Arbeitten Tausende von Arbeifern, darunter auch ziemlich viel jüdische. Sie haf bis zum heutigen Tage gar nichts getan, um diese bedeutenden Machtmittel, die sie in der Hand hat, irgendwie dazu zu benützen, um die »Lage der Arbeiterschaft zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.