Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Entwicklungstendenzen der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 9)
- Language
- German
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58 verbessern, im Gegenteil, ihre Arbeits- und Lohnbedingungen gehören wohl zu -den schlimmsten im Lande. Die ersten Ansätze, zu •einer Arbeiterschutzgesetzgebung, die von ihr. nach jahrelangen Verhandlungen und endlosem Verschleppen gemacht worden sind, sind ungenügend und basieren, zum Teil auf veralteten Prinzipien, die in den fortgeschritteneren Ländern Europas schon längst zur Vergangenheit gehören. Hier ist -fast alles noch zu tun. Wo bleibt hier die Zionistische Exekutive? Warum stützt sie nicht durch ihre Autorität die allgemeine Arbeiterorganisation, die wahrlich der Aufgaben und der Sorgen genug hat, um auch in dieser Beziehung die Bürde des schweren Kampfes allein tragen zu müssen? Warum wird unter die immer wieder gestellten nationalen Forderungen nicht auch die nach einer menschlicheren Biehandlung der Arbeiterschaft und weiterem Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung erhoben? Ist dies keine eminent, nationale Aufgabe, von deren Erfüllung die Verwirklichung des Zionismus ebenso abhängt wie von der Zuteilung von iStaatsländereien, Ausbau der Autonomie der jüdischen Gemeinden, proportionellem Anteil an der Wehrmacht und den anderen Dingen, deren Bedeutung keineswegs geleugnet werden soll? Diese Aufzählung der Sünden und Unterlassungen ist keine vollständige. Es ist nicht der Zweck des Aufsatzes, ein Sündenregister aufzustellen. Es sollte bloß darauf gewiesen werden,, wie sehr es von der Zionistischen Organisation abhängt, daß die alte große Tradition der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina auch weiter erhalten bleibt als eine der Grundbedingungen der Verwirklichung des Zionismus: , Heute steht die jüdische Arbeiterbewegung im Lande auf :einem Scheidewege.; Es würde keinen Sinn haben, .diese Tatsache zu leugnen. Von der Entscheidung, die da fallen wird, hängt; auch das. Schicksal des Zionismus ab. Mögen dessen diejenigen eingedenk bleiben, die heute für die Handlungen der Zionistischen Organisation verantwortlich sind, wie auch die vielen, die in einigen Monaten zusammenkommen werden, um die weitere Politik der Organisation und deren Tun zu bestimmen! Rundschau. Wirtschaff* . Dr. Kürt Grunwald (Tel-Awiw): Wer die Lage in Palästina von heute in der Terminologie der modernen Konjunktur- und Krisenforschung kennzeichnen wollte, würde von einem Uebergangsstadium sprechen, ein Uebergang von der ersten -Stufe der auf die Krise folgenden Stockung, die als der Niedergang bezeichnet wird, zur zweiten Stufe des Anstieges, eines ersten und vereinzelten Anstieges, der aber noch alle Kennzeichen der Stockung an sich trägt. Es ist eine grundfalsche Annahme, daß sich die ökonomische'Entwicklung in Palästina in einer' von anderen' Entwicklungen differierenden .Weise abspielen sollte. Die Krise Palästinas mag als" ein Musterbeispiel für den Ablauf eines solchen wirtschaftlichen Prozeses gelten. Nur geht