Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Entwicklungstendenzen der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379860-2383516--04611-2383721- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
55 sind oder sie erst letztens angenommen haben (linke Poale- Zion, linke Opposition, linker Block), wobei die die nationalen Interessen doch in einem gewissen Sinne noch betonenden linken Poale-Zion die beträchtlichste Zahl errungen haben.. Der glänzende, alle Erwartungen übertreffende Sieg der alten Richtung beweist also zur Genüge, daß die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina in sich in erster Reihe eine zionistische Bewegung sieht und bereit ist, auch weiterhin die Verantwortung für die zionistische Arbeit im Lande zu tragen. Und doch möchte ich davor warnen, allzu optimistische Schlüsse daraus zu ziehen. Es unterliegt erstens keinem Zweifel* daß dieses Ergebnis in erster Linie der Wahlpropaganda zuzuschreiben ist, die in den letzten Tagen vor den Wahlen eine ungeahnte Intensität erreicht hat und in der die beiden Parteien, Achduth-iHaawoda und Hapoel- Hazair schon deswegen einen bedeutenden Vorrang hatten, weil sich in ihren Reihen die ältesten und am meisten bekannten Arbeiterführer befinden, deren persönlicher Einfluß in sehr vielen Fällen ausschlaggebend sein dürfte. Bei Achduth-'Haawoda wird vielleicht auch das Moment von Bedeutung gewesen sein, daß sie den Apparat der allgemeinen Arbeiterorganisation fast ganz in ihren Händen hat und schon deswegen die öffentliche Meinung aufs stärkste beeinflussen kann. Die Zahl der Mitglieder der -beiden Parteien — und nur bei ihnen kann eine ganz klare ideologische Einstellung vorausgesetzt werden —■ ist bedeutend geringer als die Zahl der Stimmen, die sie bei den Wahlen errungen haben — sie dürfte kaum 6000 übersteigen. Die große Masse der Arbeiterschaft ist also, wenn wir von dem geringen''Bruchteil absehen, der auf die anderen Gruppierungen entfällt, in ausgesprochenem. Gegensatz zu den Vorkriegsverhältnissen, unparteiisch, in: erster teilte auf ihre tagtäglichen; Interessen bedacht und schon deswegen den verschiedensten: Einflüssen ausgesetzt, die sich im Kampf für' diese Interessen ergeben. Und •wenn wir es nun in Betracht ziehen, daß diese Leute sich heute vorwiegend in den Städten befinden und in Privatbetrieben arbeiten und daß für sie der gewerkschaftliche Kampf mit allen seinen Nebenerscheinungen tatsächlich eine ungleich stärkere Aktualität besitzt, als der Prozeß des konstruktiven, mit natio- .nalen Mitteln erfolgenden Aufbaues, von dem sie zumeist bloß aus der Presse oder den: verschiedensten Konferenzen etwas erfahren, so wird es klar, daß das Ergebnis der letzten Wahlen in gewissem Sinn, ein künstliches genannt werden kann und daraus keinerlei Schlüsse für die Zukunft gezogen werden können, wenn den : Dingen in Palästina auch weiter: freier Lauf gelassen wird, wie .es in den letzten Jahren der Fall war. Daß ein Abschwienken der -jüdischen Arbeiterschaft^ oder auch nur eines bedeutenderen .Teiles . derselben yom aktiven zionistischen Lager und Annahme der .scharfen politischen Klassenkampfideologie die schwerste Gefährdung des-, .yerwirklichungsprözesses des Zionismus im Lande