Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Entwicklungstendenzen der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 5)
- Language
- German
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54 Viel leichter und scheinbar auch natürlicher ist der Weg der neuen Richtung. Unterstreicht sie doch auf Schritt und Tritt, daß sie bloß den geänderten Verhältnissen Rechnung tragen will. Das Gros der jüdischen Arbeiterschaft im Lande «sei gegenwärtig in Privatbetrieben, beschäftigt, die in erster Reihe auf Profitmachen eingestellt seien; folglich sei die Ideologie des Konstruktivismus in die Rumpelkammer zu werfen und die gewerkschaftliche Organisierung müsse die Losung des Tages «sein. Jedenfalls sei es aber ausgeschlossen, daß dieselbe Organisation den Aufbau des. Landes im Wege der Arbeitergenossenschaften anstreben -und zugleich gewerkschaftlich tätig sein soll, denn die gewerkschaftliche Energie werde dadurch zum Ersticken gebracht. Es heißt also die beiden Tätigkeitsgebiete reinlich scheiden und auch in organisatorischer Hinsicht abgesondert führen. Eine abgesonderte gewerkschaftliche Organisierung bloß der jüdischen Arbeiter habe aber keinen Sinn. Das Lebensniveau des jüdischen Arbeiters gleite seit einer Reihe von Jahren immer tiefer herab, was in erster Reihe der Konkurrenz des billigeren arabischen Lohnarbeiters zuzuschreiben sei. Nur die gemeinsame Organisierung von jüdischen •und arabischen Arbeitern könne diesem, unglücklichen Prozieß Einhalt zu tun, da der arabische Arbeiter dann aufhören werde, die Rolle des ständigen Lohndrückers izu spielen. Entschließe man sich aber dazu, eine ^internationale gewerkschaftliche Organisation ins Leben zu rufen, dann müßten alle nationale Bestandteile des Programms der allgemeinen Arbeiterorganisation wegfallen. Die Gewerkschaft könne nur ein Ziel verfolgen: Den Arbeiter vor der Verelendung zu retten, die. ihm in Palästina in der nächsten Zeit drohe und teilweise auch schon da sei, und ihm däpn durch. ununterbrochenen Kampf bessere Arbeits- und Lohnbedingungen zu sichern. Dies sei. auch eines der wichtigsten Ziele der ganzen internationalen Arbeiterbewegung; folglich heißt es, sich in •stärkster Weise dieser Bewegung anschließen «und alle Besonderheiten.abstreifen, die die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina bisher charakterisiert haben. Dies die Grundprinzipien der beiden Anschauungen. Wie sieht,-es nun aus mit ihrem, tatsächlichen Einfluß auf die Massen der jüdischen Arbeiter im Lande? , Die vor ein paar Wochen stattgefuqdenen Wahlen zur dritten allgemeinen Konferenz der jüdischen Arbeiterorganisation haben darauf . eine ziemlich klare Antwort gegeben. Von den 17.200 ab-r gegebenen Stimmen sind 85,5 Prozent auf die Listen der beiden ^Parteien Achduth-Haawpda und Hapoel-Hazair,; die die Haupt- •txäger der .nationalen Aufbauideologie sind, gefallen, von. den restlichen 14,5 Prozent entfällt einkleiner Bruchteil auf die Listen der Kibutzim und der Revisionisten, die;sich in dieser Hinsicht ymäen obgenannten 'beiden Parteien gar nicht •unterscheiden und 'der Rest^erteilt: sich; auf die •. verschiedenen Gruppierungen,- die seit längerer Zeit die Vorkämpfer, der neuen Ideologie im * Lände