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Palästina · 1927-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 52

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 1-2
Article
Die Entwicklungstendenzen der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina
Date
1927-01-01
Page
Seite 52 (sequence 3)
Language
German
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52 täglichen wirtschaftlichen Interessen gegen das Profitstreben des Unternehmertums zu verteidigen. Beide aber bedeuten eine starke Gefährdung des nationalen Aufbauprogramms der Arbeiterschaft. Wird die ganze Kolonisationsärbeit mit nationalen Mitteln geführt, so ist das Tempo der Entwicklung ein ziemlich stetiges — wenngleich es auch hier der Rückschläge genug geben kann und tatsächlich gibt. Das Privatkapital ist dagegen in seiner Tätigkeit und Entwicklung von tausenderlei 'Faktoren abhängig, die in einem Lande, wo es eine Industrie neu zu schaffen gilt, natürlich ungleich stärker zur Geltung kommen. Perioden der Arbeitslosigkeit sind unter solchen Umständen gar nicht zu vermeiden und müssen -um so schärfer sein, je stürmischer die momentane Entwicklung der Industrie gewesenwar. So ist denn das Problem der Arbeitslosigkeit für die jüdische Wirtschaft in Palästina auf absehbare Zeit hinaus ein dauerndes und die Bekämpfung derselben nimmt Energien in Anspruch, die für die Aufbauarbeit von entscheidender Bedeutung werden könnten, während sie andererseits in den Massen der meist in schwerster Lage befindlichen Arbeitslosen ein ständiges Gefühl der Verbitterung hervorruft, das die nationalen Motive der Einwanderung ins Land oft empfindlich abzuschwächen geeignet ist. Der Kampf um Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder gegen deren Verschlechterung in den Privatunterneihmungen, der mit dem Umsichgreifen der Privatinitiative im Lande zu einer dauernd aktuellen Erscheinung geworden ist, trägt natürlich das Seinige zur Verschärfung der Gegensätze bei, 'um so mehr, als über den Köpfen der Arbeiter das Damoklesschwert der Konkurrenz des billigeren, weil auf einem ungleich niedrigeren Lebensniveau stehenden arabischen Lohnarbeiters ständig hängt sowie die in vielen Fällen nicht genügend kapitalsstarke, oft auch nicht genug wirtschaftlich geschulte und unter ganz neuen Bedingungen schwer um den Absatz ringende Unternehmerschaft tatsächlich in manchen Fällen den sozialen Lasten nicht gewachsen sein mag, die die moderne Industrie in fast allen Ländern auf sich genommen hat. Der „Import von Ideologien", der mit m den iNaohkriegserscheinungen in Palästina gehört, fand somit einen ziemlich guten Nährboden in den geänderten Wirtschaftsverhältnissen des Landes. Allerdings wurde bereits vor dem Weltkriege durch die russischen Poale-Zion, die als Arbeiter nach Palästina einwanderten, der Versuch gemacht, ihre scharfe klassenkämpferische Einstellung als ein besonderes Merkmal der 'jüdischen Arbeiterbewegung im Lande aufzudrücken. Er schlug indessen gänzlich fehl. Die Ideologie des Hapoel-Bazair, die den konstruktiven sozialistischen — wenngleich die. Bezeichnung selbst fast. nie gebraucht wurde — Aufbau des Landes als ein nationales Postulat verfocht, wurde zu der Ideologie der ganzen Arbeiterschaft im Lande. Ganz anders sieht jetzt die Lage aus. Auch jetzt wird von einem, sicherlich sehr kleinem Teil der neuen Arbeitereinwanderer, die mit kom-

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