Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Finanzierung des Siedlungswerkes
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 14)
- Language
- German
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39 wie auch in der Geldverwehdung. Die Propaganda für Geldsammlungen hat Gefahren, weil sie notwendigerweise nur die Lichtseiten beleuchtet und die Schattenseiten vertuscht, die Wahrheit also färben muß. Die größere Gefahr liegt aber in der Arbeit selbst, die sozusagen im Schaufenster vor sich gehen muß. Die Gefahr steckt darin, daß wir in der Arbeit den propagandistischen Maßstab anlegen und zufrieden sind, wenn der Tourist befriedigt ist. Die Tragik des modernen Nehemia ist, daß er mit der einen Hand die Arbeit verrichten und mit der anderen Hand eine Propagandarede halten muß, während England das Schwert hält. Die Gelder, a fonds perdu gesammelt, sind von dem Geldgeber aus seinem Vermögen abgeschrieben. Er verlangt keine Rechnung und Verantwortung, höchstens einen allgemeinen Bericht, um seine Hoffnung zu stärken, daß das Geld für nützliche. Zwecke ausgegeben wird. Die Rechnungsberichte der Exekutive, die dem Idealismus der Geldgeber entsprechen müssen, werden demnach kaum gelesen. Das Geld ge- hört jedem und ist das Objekt eines Interessenkampfes bei der Verteilung des Budgets. Es hat die Tendenz, ungesunde ökonomische Verhältnisse zu schaffen. Dazu werden Gelder ä fonds perdu im Gegensatz zu Kreditgeldern, mit einem großen Apparat, Propagandisten, kostspieligen Drives, gesammelt — vom national- Ökonomischen Gesichtspunkt zu teuer. Sie sind ihrem Wesen nach beschränkt und die Regelmäßigkeit der Aufbringung ist unsicher. Geld als Kredit gegeben ist moralisch. Es schafft seiner Natur nach Verantwortung, Sparsamkeit und Efficiency, ohne welche kein. Volk auskommen kann. Es fordert Ziffern, Bilanzen und die Erfüllung der Gegenleistung in Verzinsung und Amortisation, was nicht mit schönen Redensarten zu ersetzen ist. Es schafft ein gesundes Verhältnis zu Palästina seitens des Kreditgebers, der ein direktes Interesse an der richtigen Verwendung seines Kredites hat, es schafft gesunde Verhältnisse in Palästina wegen der Notwendigkeit von Anpassungen die ökonomischen Gesetze der Weltwirtschaft. Ein Land kann ' nicht restauriert werden mit philanthropischen Mitteln, sondern nur mit Krediten. Gewiß wird man für lange Jahre den Kereh Hajessod brauchen und es wäre ein Verbrechen, die oberistehende Kritik so zu "deuten, als ob die Anstrengung für die Sammlung großer Mittel für den Keren Hajessod, den Pionierfonds, in irgend welcher Weise vernachlässigt werden dürfte. Erstens wird man noch Jahre belastet sein mit der ökonomischen Absorption von Tausenden, die eine uhplanmäßige Immigration ins Land gebracht hat, und mit der Liquidation der Fehler der Vergangenheit. Zweitens wird auch nachher ein Teil — sei er so klein wie möglich — der für erste Ansiedlung ausgegebenen Gelder in den verarmten, leeren Boden versenkt und abgeschrieben werden müssen und also jährlich aufgefüllt werden .müssen. Drittens gibt es noch/andere wichtige Teile des Keren-Hajessöd-Budgets, die allerdings verkleinert oder über-