Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Finanzierung des Siedlungswerkes
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 12)
- Language
- German
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37 Die Kreditablöse. Die Frage der landwirtschaftlichen Kredite durch eine Landwirtschaftsbank oder in irgend einer anderen, direkteren Form wird durch die obigen Vorschläge zu einer solchen der Kreditgewährung an schon konsolidierte Betriebe und verliert damit ihren spezifischen Charakter, da dies eine ganz normale, überall praktizierte Kreditform ist. Hierüber findet sich in der „Jüdischen Rundschau" (Berlin) Nr. 102-3 vom 30. Dezember 1926 ein interessanter Artikel von Dr. S, iA. van Vriesland: „Konsolidierung und Neukolonisation". Der Autor, der bis vor kurzem Mitglied der Palästina-Exekutive war, hat schon lange den Vorschlag gemacht, daß Kreditgelder gesucht werden müssen, welche bei konsolidierten Siedlungen den Keren Hajessod ablösen, so daß dieser von einer speziellen Kreditquelle die von itai investierten Gelder 'zurückerhält, und mit diesen neue Kolonisation finanzieren kann. Er selbst ging nach Amerika und hatte mit der Geldaufbringung Erfolg. Die Schwierigkeit liegt aber nach seinem Artikel nicht in der Geldaufbringung, sondern in seiner Verwendung, d. h. in dem Mangel kreditwürdiger, schon vollkommen konsolidierter und namentlich rentabler Wirtschaften. Denn mit der Sicherheit der Anlage allein ist für den Kreditgeber nichts getan, wenn keine Aussicht auf Verzinsung und Amortisation gegeben ist. Den zweiten Teil der Ausführungen des geschätzten Autors drucken wir nachstehend ab: Konsolidierung und Neukolonisation. Aus einem Artikel von Dr. S. A. van Vriesland, Scheveningen: Meine Vorschläge gehen dahin, daß, wenn irgend ein Betrieb eines Einzelsiedlers in einem Moschaw oder in einer Kwuzah die Grenze der Kreditfähigkeit erreicht hat, was z. B. dadurch zum Ausdruck kommen könnte, daß der betreffende Siedler oder die Siedlung ein oder zwei Jahre aus den Ueberschüssen des Betriebes, außer Pachtzins an den Keren Kajemeth, Zinsen und Amortisation, an den Keren Hajessod zurückgezahlt hat, daß dann der Kreditgeber den Vertrag zwischen Keren Hajessod und Siedler übernimmt (diskontiert) und dem Keren Hajessod den konstanten Wert der Schuld zurückerstattet. Mit diesem Gelde kann dann der Keren Hajessod einen neuen Kandidaten oder eine neue Gruppe ansiedeln. . Ein solches System würde große Vorteile haben: 1. Es würde für den Kolonisten ein Ansporn sein, durch große Anstrengung früher die Grenze der Kreditfähigkeit zu erreichen, weil er doch dadurch die Absiedlung eines neuen Chawer ermöglicht. Der Interessenkonflikt zwischen den Neuankömmlingen und Ansässigen, der sich gerade in dem Kampf um die Eroberung von Teilen des Keren-Hajessod-Budgets zeigt, würde damit für die Landwirtschaft eine glückliche Lösung finden, denn der enge Verband zwischen eigener Energie, Fleiß, Lebensstandard und der Erfüllung des Ideals einer möglichst großen Immigration, würde jedem einzelnen Siedler klar vor Augen stehen. ^Weiter wird es eine heilsame Konkurrenz zwischen den Siedlern selbst hervorrufen, um