Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Der Bachar
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379838-2379847-2383401--03897-2383467- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Spaten an, einen schönen Spaten, den er als „Pakid" bekommen — keiner nimmt ihn an — die Disziplin hat aufgehört! Zuletzt siegt der Starke, der Hartnäckigste — diesmal gerade der „Intelligenzler". * Die Arbeit nähert sich dem Ende. Die Arbeiter, die einander gegenüber sind, treffen einander beinahe schon. Nur ein kleiner Zwischenraum,, der von Augenblick zu Augenblick enger wird. Noch eine, zwei Stunden — die Eisen berühren sich! Aus zwei Furchen wurde eine, alle stehen beisammen! „Challas!"*) — ein Freudenruf: Hedad! — und Stille! — Die Spaten noch in der Hand, die Augen nach allen Seiten blickend — und Stille! Prächtig ist der Anblick des Feldes! Groß, weit, ganz schwarz,, kein Kräutlein darin. (Der Indschil wächst nicht nach dem Regen!)..... Stille! Alle blicken um sich und sinken in Gedanken — nur einer unterbricht das Schweigen: „Ein Meer, wirklich ein Meer! Wie Wellen,, wenn ein leichter Wind;,darüberfährt! Und hier und dort — weißlichgelbliche Fleckchen, wie Schaum auf der Meeresoberfläche-- „Jetzt versteh' ich erst den Namen „Bachar" ruft ein zweiter mit Begeisterung — „Bachar" heißt „Meer" — und dies ein schwarzes Meer!" Die Deutung wird mit Beifall aufgenommen. Prächtig ist der Anblick des Feldes, ja erhaben! Verborgenes und Geheimnisvolles kannst du darin erblicken, Geheimnisse von Vergangenheit und Zukunft ruhen im Boden! Wieviel Gedanken, wieviel Erinnerungen haften an jeder Erdscholle^ an jedem Sandkörnlein! Das ganze Feld vor deinen Augen, gepflügt von Menschenhand. Wochenlang hat der Mensch hier in seinem Schweiße gegraben, darein gesät und begraben: Hoffnungen, Träume . . . Einige Uebereilige sind schon aus der Furche emporgestiegen, nehmen einen Strick und beginnen zu messen. Sie entwerfen schon die Rechnung mit unserem Herrn, wieviel Lohn auf jeden Tag entfiel. „Achtzig Groschen pro Tag!" rufen sie voll Jubel und Stolz — und rechnen noch,, wieviel Arbeiter unter uns sich erst ausgebildet und wie viele Arbeit bekommen haben, angesichts des „Cherem"**) — zwei Franken und mehr konnte man für den Tag verdienen! * Und auf der anderen Seite kommen schon die Araber. — Ein ganzes- Heer von Arabern. Kommen mit ihren Hacken und Aexten und zerstreuen sich über das Feld, bezeichnen mit Stricken die Plätze der Gruben, laufen hierhin und dorthin auf unserem Bachar — und in der Luft verbeitet sich ihr Gesang ... Und all das Gesehene und Gehörte . berührt alle Saiten des bedrückten Herzens . . . Das Auge blickt auf den Acker hin, den wir umgruben, auf das Arbeiten der Araber . . . Da erscholl das Kommandos „Nachhause! Nachhause!" *) Arabisch Genug. **) Cherem Bann. 269*