Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Der Bachar
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Und manchmal bist du schon aufgestanden, trittst auf die Straße und siehst die schöne Sonne im Osten, aber ein kleines, schwarzes Wölkchen im Westen, und mußt innehalten; das Gewölke nähert sich — und plötzlich stürzt es in Fluten herunter — du eilst in dein Zimmer, manchmal unwillig, wenn dich die Langeweile des Müßigganges überkommen hat. ... Und manchmal stehst du arbeitend auf deinem geliebten Bachar, er wächst von Stunde zu Stunde, und du siehst in der Phantasie seine Grenzen und sein Bild, wie es am Abend sein wird — plötzlich weht der Wind, der Himmel verdunkelt sich, und es ergießt sich auf dich und dein Gerät die ganze Wucht des Regens — du mußt in die Kolonie laufen, durch plötzlich gebildete Ströme und Pfützen, und der Boden unter dir wird Lehm und Kot — daß du bis an die Knie versinkst — Nachhause — nachhause bis zum Sabbat! Wochen auf Wochen vergingen. Durch die Regengüsse wurde unsere Arbeit aufgehalten. Und jetzt wurde auch die Zahl unserer Genossen größer — bis über dreißig Mann. Der „Waad" von Petach-Tikwah hatte gerade einen „Bann" erlassen, über die jungen Arbeiter, und täglich wurden Arbeiter entlassen, manche sogar zur „Verbannung" aus der Kolonie verurteilt — und neue überhaupt nicht aufgenommen. Und sie alle, die Neuen, die Entlassenen und Verbannten, nahmen wir in unsere Mitte auf — ob sie die Arbeit verstanden oder nicht. Ueber unseren Boden hatte der „Waad" der Kolonie kein Befehlsrecht. Ist ja die Arbeit unser und keines Herrn, da sie uns in eigene Regie gegeben wurde. Wenn man hie und da zu unserem Herrn schickte, mit der Aufforderung, uns zu entlassen, redete er sich immer darauf aus. Dafür beschlossen wir, ihn selbst mit unseren Spaten zu schützen, — So schien uns unser Bachar wie eine Festung, ein Schutz gegen jeden Feind. In Zeiten des „Bannes" wrar er Mittelpunkt der Arbeiter; wenn irgend ein Vorfall in einer Kolonie sich ereignete, so kündigte man es sofort den „Bacharanim" an. Boten gingen hin und her, kamen zum Beispiel vom „Waad" der Kolonie zu Pferde geritten, wegen irgend einer Verhandlung. Boten wurden sogar bis nach Jaffa geschickt. Und fast wurden uns die Stunden der Arbeit zu Stunden der „Versammlung" und Beratung, ja, wir wären zum' Kampfe bereit gewesen, mit dem Spaten in unserer Hand. . . Mit Gesang, in demonstrativem Zuge, gingen wir zur Arbeit und kehrten wieder heim — und sehr betrübten wir uns darüber, daß wir nicht bei passender Gelegenheit noch andere Bachars in Pacht übernommen. Inzwischen kamen soviele neue Arbeiter zu uns, daß eine Reihe nicht mehr ausreichte. So nahm man die Neuen, stellte sie an das andere Ende des Ackers, uns gegenüber, und drei Erprobte gingen, sie in der Arbeit zu unterweisen. Unser „Pakid" bestellte auch Einen als seinen „Bevollmächtigten", und auch eine der Indschilsammlerinnen wurde hinbeördert. So gingen wir in die Arbeit, Reihe gegen Reihe, nur der Hügel in der Mitte schied uns, daß wir einander nicht sehen konnten, und wir 267