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Palästina · 1911-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 266

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 11-12
Article
Der Bachar
Date
1911-01-01
Page
Seite 266 (sequence 4)
Language
German
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Und Kolonisten, die nachhause kehren, sehen erstaunt auf diese jungen Menschen, die singen und zum Tanz zusammengehen — mitten am Wochentag. Da läßt sich plötzlich die Strophe des Arbeitsliedes vernehmen; Der Augenblick ist gekommen, man hört die Stimme des „Pakid": „Auf ihr Brüder!" Und mit dem Refrain „Jan Choi Li Li"*), der das Feld entlang tönt, beginnt der ganze Chor mit der Arbeit. Der Bachar erscheint uns auch im Traume. — Der Indschil geht mit dir zu Bette. Du glaubst auf roter Erde zu schlafen, siehst Schlangen Mäuse, Eidechsen, und du schlägst mit dem Spaten nach rechts und nach links — und der Bachar erweitert sich vor deinen Augen, von Augenblick zu Augenblick, mit nie gesehener Schönheit. . . Doch schlafen kannst du nicht, rückst dich von einer Seite zur andern, und findest für deine Hände keinen Platz. . . Die Muskeln schmerzen, schmerzen sehr. Was du während der Arbeit hättest empfinden müssen, spürst du des nachts. Mit den Handflächen ist es nicht so arg, die Haut ist schon hart geworden und die Blasen sind geheilt — aber die Muskeln! Trotzdem empfängst du die Schmerzen in Liebe, fühlst die Muskeln wachsen, als ob dir „Flügel wüchsen", fühlst deine Kraft wachsen. Noch ein wenig, und du wirst ein ganzer Held, dessen Kraft gefürchtet wird, und der härteste Boden wird von dir gespalten, du wirst ein „Arbeiter" der Arbeiter. Es ist ein absonderlichen Schmerz, ein Drücken, Ziehen, Pressen. So ähnlich muß es einem Kinde zumute sein, das Zähne bekommt. . . Nach solcher halbdurchwachter Nacht aber erhebst du dich voll Freude und hurtig zur Arbeit; in der Stunde der Arbeit fühlst du keinen Muskelschmerz. Die Arbeit schreitet in unerwarteter Weise vor. Jedem Tag fügt sich ein neues Ackerstück hinzu, wir machen Zeichen mit den Spatengriffen, die seitwärts liegen — zwischen je zwei Hölzern ein Tag — jeder Tag verschlingt ein Holz. — und in wenigen Tagen heißt es: „Challas" (genug), wie der Araber sagt. Aber es beginnen starke und sich häufende Regengüsse, und unsere Arbeit ist gestört. Auf den ersten Regen warteten wir ungeduldig; .wir wollten unseren Bachar nach einem Regen sehen, nach heftigem Regenaufklatschen. Aber der Regen kommt jetzt fast Tag für Tag, ja er raubt uns manchmal drei bis vier Tage der Woche. Du willst aufstehen und hörst das Tropfen des Regens an den Fensterscheiben und das Strömen draußen, ja, er dringt durch irgend eine Ritze bis in dein Zimmer und zeigt sich in einer dünnen Rinne an der Wand — — da hüllst du dich in deine Decke, streckst dich gerade aus — „wenn es einmal so ist", so sind auch einige Ruhetage gut — gut, um Freundschaft zu pflegen, und besonders — für „Versammlungen".-- *) Dem Arabischen nachgebildeter Refrain eines häufig gesungenen Marschliedes. 266

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