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Palästina · 1911-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 11-12
Article
Der Bachar
Date
1911-01-01
Page
Seite 265 (sequence 3)
Language
German
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im Staate" und essen friedlich miteinander. Oder es bildet sich eine „Kommune" durch Zufall: Einer gibt dem Andern von seinen Datteln und bekommt dafür Oliven oder Äpfel. Insbesondere sucht man sich dem „Pakid" anzufreunden, der zumeist besonders feine Sachen bringt. Jeder Mund ist doppelt beschäftigt: mit Essen und Sprechen. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den Mädchen. Namentlich Einer, ein Kurzsichtiger, hat es besonders mit Einer zu tun. Ein. Tuch ist vor ihnen ausgebreitet, wie eine Tischdecke, er schneidet ihr von seinem Brote ab, wie ein Vater seiner kleinen Tochter, und eine Zweite geht und bereitet Tee für „Auserlesene". „Willst Du Tee?" „Liegt nichts daran!" „Liegt ja daran", seufzt ein Zweiter, der ihn beneidet. „Ja daran", „nichts daran" — mit solchen Andeutungen sucht man auf Geheimnisse zu kommen und Verdächtigte in Verlegenheit zu bringen. Nach der Mahlzeit ändert sich die „Dekoration"; die einen schlafen, wo sie gerade sind, die anderen graben sich in den Sand ein und hüllen sich in Mäntel. Herbstwind und die Sonne doch brennend, der Mantel aber ist Schutz gegen Kälte und Sonne zugleich. Einige breiten Zeitungen vor sich aus, in denen der Wind blättert, der eine liest, die anderen horchen. Es ist eine besondere „Bühne" da für Hebräisch, desgleichen für Jargon, für Russisch. Und neben jeder „Bühne" sitzen und lauschen sie auf die Neuigkeiten, die von „dort" sie hören, aus Rußland und aus den anderen Ländern der Verbannung. Da erhebt sich einer und beginnt etwas zu singen, der Zweite hilft ihm — und alle fallen im Chore ein — bis einer sich auftut, zu tanzen beginnt, wofür alle ihm Beifall klatschen. Da fügt sich auch ein Zweiter zum Tanze, und ein Dritter und ein Vierter, bis ein Kreis sich bildet. Die einen ziehen die anderen mit sich, es schlingt sich Hand in Hand, der Kreis wird weiter und weiter — ein tanzender Kreis von zwanzig Männern, mit gekreuzten Händen, und in der Mitte stehen einige, die Spaten schwingend, und starke Sangestöne durchdringen die Luft. Stark wird die Aufrüttlung und Erwärmung — und da beginnt einer eine arabische „Dobkah" bis allen der Kopf schwindelt vor heftigem Drehen — und sie niederfallen. Und wieder stellen sie sich in eine lange Reihe, in bestimmten Entfernungen von einander, gebeugt, und die „Springer" springen über ihre Köpfe Dann wieder singen sie. Das Lied eines älteren Kameraden, der bei allen geehrt ist; und mehr noch als „Philosoph" und Dichter, ist er ein ehrlicher und begeisterter Jude. Bin ich auch nur ein armer Jude, Wie er, im Golus, wachsen kann, In Erez Israel faßt mich ein Jubel, Heb' ich den Becher wie ein freier Mann. In Freude wollen wir alle sehen, Soll euer Leben, Brüder, und alles gedeih'n, Das Land der Schönheit ist unser geworden, Ziehen ins Land seine Kinder ein — — 265

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