Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Der Bachar
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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in der Hand und ruft dir zu mit den Worten der Rebekka: „Trinke, mein Herr!" und wohl dem, der einer kleinen Variante gewürdigt wird: „Trinke, mein Lieber!" — wie schön klingt das hebräisch aus dem Munde des Bacharmädchens. Und manche unter uns kennen die Regeln der Galanterie und zeigen ihre Fähigkeit darin, erfinden feine und weiche Ausdiücke. Und die eine, die kein Hebräisch versteht, empfängt Unterricht von dem „Hebräer", und wiederholt Wort für Wort nach seinem Munde. Wir haben für die Mädchen auch ein gutes Geschenk, den Spaten. Sie bitten darum, mit dem Spaten zu arbeiten. Sie ergreifen den Spaten, und ein Hagel von Worten ergießt sich über das schwache Geschlecht: „Ach!" seufzt einer, „wir haben hier keine Deborah's an Geist, und keine Judith's an Kraft!" Dort in Rußland gehen sie zum Vergnügen ins Gefängnis, hier können sie keinen Spaten richtig angreifen. „Die Frauen", klagt der Zweite, „die meisten Emigranten gingen ja nur der Frauen wegen zurück. Diese kommen nur, das Leben der Männer bitterer zu machen. Im Winter ist ihnen zu viel Regen, im Sommer zu viel Hitze, die Hauptsache: ,wir denken an die Fische zurück' . . . aber die Mütter in Aegypten brachten Israel Erlösung, die Mütter unserer Zeit bringen uns ins Golus zurück." In solchen Worten wird mehr Wahrheit laut als Scherz, bis die Bacharmädchen das Haupt erheben und ihre Geschlechtsgenossinnen zu verteidigen beginnen: „Gehen nicht die Mädchen her und erobern Arbeit im Pardes und dienen um Lohn wie die Männer? Begnügen nicht auch sie sich nur mit Brot und Sesamöl? Verrichtet das Mädchen X nicht die Spatenarbeit und wird dafür entlohnt wie ein Mann?. Und sind nich' auch unter den Männern solche, denen der Spaten aus der Hand fliegt — und die leichte Arbeit suchen? Und gibt es der Ledigen zu wenig, die nach Rußland zurückgehen, obwohl ihr Mund von schönen Reden voll ist?" „Und wir", schließt die eine, „hatten doch auch nicht vor dem Heeresdienst zu flüchten und kamen doch!" Und vor dem leicht hingeworfenen Wort dieses reinen Lämmchens muß einer der heftigsten Ankläger erröten, daß er stumm den Blick in den Boden vergräbt ... Da fährt einer der Galanten drein und sucht mit feinen Warten alle Härten zu versöhnen — bis die Mädchen weggehen, um Tee zum Mittagrnahl zu kochen. Ein großer Topf ist da, lndschil zum heizen ist da, Gläser und Zucker auch — und durch das Verdienst unserer teuren „Mutter" soll uns ein Königsmahl werden. Mittagsmahl. Nach einem erquickenden Händewaschen eilt ein jeder mit seinem Korbe an den bestimmten Platz, und sonderbar genug sind wir gelagert: bald neben-, bald übereinander, der Eine ausgestreckt, der Andere auf irgend einem Balken, der Dritte, wie ein Adler, hoch auf einem Steinhaufen sitzend, ein Anderer an einem Sandhügel gelehnt. Verschieden waren auch die Vorräte, die jeder brachte: Brot und Datteln, Brot und Oliven, mancher Brot und Fische oder einen undefinierbaren Kartoffelbrei. Die besonders Verwöhnten waren die Verheirateten. Man braucht nur in den Korb zu blicken; ist eine Schüssel darin, dann ist er verheiratet. Es gibt auch Kommunisten. Die sitzen wie „ein Staat 264