Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Talmudische Archäologie
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 4)
- Language
- German
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dagegen war die Jagd mit Rücksicht auf die gebotene Milde gegen alle Tiere kaum nennenswert. Die Jagd erstreckt sich fast ausschließlich auf die „reinen Tiere", wie Hirsche, Rehe, gewisse Vögel und Fische und auf den Kampf gegen die Schädlinge in der Tierwelt. Am fischreichsten war der Tiberiassee, auch der Jordan scheint an Fischen keinen Mangel gehabt zu haben. Die gelegentliche Erwähnung der Fischer von Akko läßt auch auf Seefischerei schließen. 6. Landwirtschaft. Das reiche Material, das Kraus hier über Ackerbau, Wald, Garten, Oel und Weinbau zusammenträgt, will ich gelegentlich in dieser Zeitschrift eingehend besprechen, da es auch inbezug auf die heutige Wiederbepflanzung Palästinas manche beachtenswerte Winke enthalten mag. Hier sei nur aus dem einleitenden Abschnitte über die Landeskunde einzelnes hervorgehoben. Die Landwirtschaft ist ganz besonders abhängig von den klimatischen Verhältnissen. Klimatisch das Wichtigste ist, daß die trockene, zugleich die warme Jahreszeit ungefähr von Nissan bis Marcheschwan, die kalte oder Regenzeit von Marcheschwan bis Adar reicht. Es ist ein vielverbreiteter Irrtum, daß Regenzeit und trockene Jahreszeit unmittelbar aufeinanderfolgen, auch Palästina hat Uebergangszeiten, Frühling und Herbst, der Frühling fällt ungefähr in die Wochen zwischen Pessach und Wochenfest; ihm werden milde Luft und heiterer Himmel nachgerühmt. Entsprechend diesen natürlichen vier Jahreszeiten teilt man das Jahr nach den Tekufot (Sonnenwenden) des Nissan, Tamuz, Tischri, Tebeth in vier Teile. Jeder Tekufa kommt eine eigene Bedeutung für die Landwirtschaft zu: „Die erste liefert die Früchte, die zweite bringt sie zur Reife, die dritte erweicht den Boden, die vierte macht die Erde kahl von jeglicher Frucht." Ein altisraelitischer landwirtschaftlicher Kalender, der in Gezer aufgefunden wurde, kennt sogar sechs Jahreszeiten, von Mitte Tischri bis Mitte Kislew die Zeit der Aussaat, von Mitte Kislew bis Mitte Sebat Winter, von Mitte Sebat bis Mitte Nissan Frost, von Mitte Nissan bis Mitte Siwan Zeit der Ernte, von Mitte Siwan bis Mitte Ab Zeit der Obstlese, von Mitte Ab bis Mitte Tischri Hitze. Ueber die Wirkung des Regens, über sein notwendiges Minimum, über Winde und Wolken, wie über die Bodenbeschaffenheit des Landes wird außerordentlich Belehrendes aus dem talmudischen Schrifttum angeführt. 7. Das Gewerbe. Die Arbeit galt als wichtigster, wenn auch nicht immer lohnendster Erwerb. Selbst beim Dieb wird geleistete Arbeit als strafmildernd angesehen. Nicht jedes Handwerk ist gleich geschätzt; drastisch sagt das der Satz: „Die Welt braucht beide: den Gerber und den Parfümerzeuger, wehe dem, der Gärber ist, heil dem, der Parfüm erzeugt." Aber selbst die Abdeckerei schändet einen Gelehrten nicht. Das Handwerk vererbt sich vom Vater auf den Sohn oder es wird bei einem Meister erlernt. Ein Koch verpflichtet sich seinem Schüler in fünf Jahren die Kunst beizubringen, 500 Gerichte aus Weizenmehl, in weiteren fünf Jahren noch 1000 Gerichte aus Weizenmehl zu verfertigen. Der Konkurrenzkampf ist hart, aber durch talmudische Gesetze geregelt. Die Werkzeuge haben einen hohen Grad von Vollkommenheit; an Handwerken 259