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Palästina · 1911-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 258

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 11-12
Article
Talmudische Archäologie
Date
1911-01-01
Page
Seite 258 (sequence 3)
Language
German
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wird zum Kochen verwendet. Die Oefen sind mannigfach; vom primitiven Stein, den man auf eine mit Brennstoffen gefüllte Grube legt, bis zum metallenen Herd kommen alle Typen vor. Interessant ist der Backofen, wo an den Seitenwänden gebacken wird. Zur Zubereitung der Nahrung ist die Mühle unerläßlich, es gibt Hand-, Tier- und Windmühlen. Als Nahrungsmittel dienen Brod, Backwerk, Fleisch, Fische, Obst, Sämereien, Eier. Viel verwendet werden Salz und Gewürze. 3. Kleidung und Schmuck Von diesem kulturhistorisch höchst interessanten Kapitel sei nur hervorgehoben, daß Kraus nach der Technik ihrer Herstellung, nach dem Stoffe und nach ihrer Bestimmung weit mehr als 100 Kleidungsstücke namhaft macht, zumeist auch genau beschreibt. Besonders liebevoll gibt er sich mit der Rekonstruktion des alten palästinensischen Webstuhles ab. 4. Körperpflege. Kraus bespricht in diesem Kapitel eingehend das Badewesen bei den Juden, die natürlichen und künstlichen Warmbäder, die allgemeine Wertschätzung des Bades, die Verwendung von Salben, Parfüms und Schminken, die Körperpflege, die Hygiene und Medizin. Im zweiten Bande bespricht Kraus im fünften Abschnitt das Familienleben: Geburt, Beschneidung, Erziehung, Standesyerhältnisse, Ehe, Hochzeit, Witwenschaft, Erbschaft, Beerdigung, Begräbnis, Trauergebräuche. Als Bestandteil der Familie ist auch der Sklave anzusehen. Sklaven im eigentlichen Sinne sind nur Heiden. Frauen und Proselyten dürfen keine Sklaven erwerben. Der Sklave wird auf dem Sklavenmarkt gekauft und als seinem Käufer gehörige Sache durch eine Etikette und Schellen gekennzeichnet; er hat keine Erwerbsrechte, ist dem Religionsgesetze gegenüber unmündig. Seine Behandlung ist im Gegensatz zu der in Rom üblichen milde; doch ist es verpönt, ihn freizulassen. Unter Umständen wird es zur Pflicht, ihm die Freiheit zu geben, er ist als Freigelassener wie ein Proselyt zu behandeln und mit Ausnahme einiger Ehebeschränkungen und Ausschluß von bestimmten Würden vollberechtigt. Zum Hausstand des jüdischen Bauern gehören eine Reihe von Haustieren, vornehmlich Zug- und Reittiere und Schaf und Ziege als Kleinvieh. Hund und Katze werden wohl häufig gehalten, aber nicht als Haustiere betrachtet. Schaf und Ziege wurden wegen ihrer Milch sehr geschätzt, das Schaf auch wegen seiner Wolle und seines wertvollen Felles. Das Rind wurde sehr sorgsam behandelt, man bemüht sich die Rasse zu veredeln. Das Gebot der „Barmherzigkeit gegen Tiere" verbietet die Kastration, kastrierte Tiere wurden, wenn man sie brauchte, von den Heiden gekauft. Als Reit- und Zugtiere werden neben Eseln auch Pferde, Kameele und Maultiere verwendet. Der jüdische Bauer hatte auch seinen Hühnerhof, in dem außer Hühnern Gänse aufgezogen wurden (in Jerusalem selbst durften keine Hühner gehalten werden), daneben auch seinen meist turmartigen Taubenschlag. In der Nähe der Städte gab es ganze Taubenkolonien, von mitunter sehr großer Stärke, die mehreren städtischen Besitzern gemeinsam gehörten, da die Taubenzucht aus den Städten verbannt war. Bienenzucht scheint in ziemlichem Umfange getrieben worden zu sein, 258

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