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Palästina · 1911-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 257

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 11-12
Article
Talmudische Archäologie
Date
1911-01-01
Page
Seite 257 (sequence 2)
Language
German
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sehr divergierende Erklärungen für Worte und Begriffe, die für die praktische Halacha keine Bedeutung mehr hatten und deren eigentlicher Sinn beim Mangel verläßlicher Traditionen nur gemutmaßt werden konnte. Es ist darum begreiflich, daß erst im 20. Jahrhundert auf Grund der großartigen talmudischen Lexikographie der letzten Jahrzehnte der Versuch gemacht wird, eine umfassende talmudische Archäologie zu schaffen, und es ist kein Zufall, daß es gerade einer der hervorragendsten talmudischen Lexikographen ist, der diesen Versuch unternimmt. Die beiden vorliegenden Bände mit ungefähr 700 Seiten Text und ebensoviel Anmerkungen enthalten die Ergebnisse jahrelanger mühevoller Forschungen des gelehrten Wiener Professors Dr. Samuel Kraus. (Ein dritter Band soll bald erscheinen.) Und ich will es gleich vorwegnehmen, das Werk scheint mir mehr als ein Versuch, vielmehr als ein Werk, berufen, noch lange als Grundlage für jede weitere Arbeit auf diesem Gebiete zu dienen und die Nachfolger zu emsiger Arbeit auf den einzelnen Spezialgebieten anzuspornen. Ueber die Methode Kraus' sei nun bemerkt, daß er vor allem den häufigen Fehler der Archäologen vermeidet, aus einer gelegentlichen Erwähnung eines Brauches, eines Namens gleich allgemeingiltige Sätze abzuleiten, daß er vielmehr alles, was er vorbringt, auch gründlich belegt. Und nun zum Buche selbst. Ich bekenne offen meine Verlegenheit, wie ich darüber berichten soll; ich weiß nicht, welches Kapitel eine eingehendere Besprechung erhalten soll, denn welches immer man aufschlägt, man findet es lesens- und beachtenswert. Ich will darum mich darauf beschränken, eine möglichst genaue Inhaltsangabe des Buches zu liefern und behalte mir vor das eine oder das andere Kapitel später eingehend zu behandeln und so den Leser über den Umfang des Werkes zu unterrichten. Der 1. Hauptabschnitt behandelt Wohnung und Hausgerät in talmudischer Zeit, wobei zu bemerken ist, daß Kraus die Unterschiede zwischen Palästina und Babylon nur wo notwendig hervorhebt. In talmudischer Zeit bewohnen die Juden meist Häuser, daneben aber auch Zelte und Hütten, ja sogar noch Höhlen. Die Häuser werden aus Steinen der zahlreichen Steinbrüche oder auch aus Ziegeln errichtet; sie haben meist ein Erdgeschoß und Oberstock und stehen einzeln oder auch mehrere zusammen in einem Hofe; das Dach ist gewöhnlich flach, mit Vorkehrungen für den Regenabfluß versehen. Der Grundriß des Hauses beträgt 48— 100 Quadratellen. Das Hausgerät ist sehr einfach; den Tisch vertritt ursprünglich nur eine auszubreitende Decke, dann eine Holzplatte, die auf den Fußboden gelegt wird, später gibt es schon komplizierte Tische mit zerlegbaren und Doppelplatten. Aehnliche Wandlungen machen die Stühle, Bänke und Betten durch. 2. Die Nahrung und ihre Zubereitung. Palästina leidet an Wassermangel, es hat nur wenig ergiebige gute Quellen, die nach ihrem Vorkommen sich wesentlich unterscheiden. Das Wasser wird in Gruben und Zisternen aufbewahrt. r;euer wird gewonnen, indem man durch Feuerstein, Aneinanderreihen zweier Holzstücke Funken erzeugt. Als Feuerungsmittel dienen Holz, Stroh, Werg, Pech; glühende Asche 257

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