Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Bedeutung des Futterbaues für Palästina
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 2)
- Language
- German
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Palästinas für diese Produkte ist relativ sehr groß. Die Milchversorgung Jaffas und Jerusalems ist eine sehr mangelhafte und die Nachfrage weitaus größer als das Angebot. Dazu wäre noch zu bemerken, daß die Milch in der Volksnahrung Palästinas wegen ihrer hohen Preise fast gar keine Rolle spielt. Und es wäre ein großes Verdienst unsererseits, für die Verbilligung eines so wichtigen Volksnahrungsmittels einzutreten, zujnal die Milch in der Ernährungsweise der aus Osteuropa eingewanderten Arbeiter eine viel größere Rolle spielt als bei den Westeuropäern. Da ferner die Produktionskosten keineswegs höher sind als in Westeuropa, so dürfte der Futterbau selbst bei den Milchpreisen Westeuropas nicht unrentabler sein als dort. Also für die Ausnützung der gegenwärtigen Marktkonjunktur ist Aussicht auf Erfolg überaus günstig, aber die Rentabilität dürfte noch bestehen, wenn die Milchpreise um 40- 50% zurückgehen sollten, was bei Ausdehnung des Futterbaues nach und nach eintreten dürfte. Aber nicht die Rentabilität infolge der gegenwärtig herrschenden günstigen Marktverhältnisse für Milch und ihre Produkte allein ist es, die für die Einführung und Ausdehnung des Futterbaues spricht, sondern auch seine indirekte Wirkung als Dünger lieferndes Element in der Wirtschaft. Bekanntlich sind solche Wirtschaften mit schwacher Viehhaltung, die ihre Produkte nicht in der eigenen Wirtschaft verwenden, d. h. verfüttern, sondern direkt auf den Markt bringen, in Bezug auf ihre Düngerverhältnisse sehr schlecht gestellt, da sie in den ausgeführten Produkten eine ganze Menge pflanzlicher Nährstoffe aus dem eigenen Betriebe hinausführen, die sie in Form von künstlichen Düngemitteln dem Boden zurückgeben müssen, wenn sie nicht argen Raubbau treiben wollen, der darin besteht, daß man dem Boden Nährstoffe entnimmt, ohne sie ihm wieder zurückzugeben. Die Folge einer solchen Bodenbehandlung ist, daß der Boden mit der Zeit an c'en für die Pflanzen unentbehrlichen Stoffen verarmt und infolgedessen unfruchtbar wird. Dazu kommt noch, daß der natürliche Dünger (Stallmist) niemals oder nur sehr selten ganz durch Kunstdünger zu ersetzen ist, woraus die Bedeutung des Futterbaues in dieser Hinsicht deutlich hervorgeht. Ist diese Wirkung schon im allgemeinen groß, so hat sie für Palästina eine noch größere Bedeutung, da die Kolonisten dort darauf angewiesen sind, den natürlichen Dünger von den umwohnenden Arabern zu kaufen.*) Dieser aber geht infolge der *) Anmerkung: In den arabischen Dörfern wird der Boden unter seinen Besitzern jedes zweite Jahr von neuem aufgeteilt und daher kommt es, daß die Düngung dort unterlassen wird, obwohl die Araber von deren günstiger Wirkung wohl unterrichtet sind, weil keiner von ihnen diese vornehmen will, die zum größten Teile nur ihren Nachfolgern zugute kommen kann. In den Städten hingegen, wo der Boden maphrus, d. h. ein für allemal verteilt ist, wird auch von den dortigen Gemüsegärtnern gedüngt. In den Dörfern liegt der durch Jahrhunderte angehäufte Dünger infolge seiner Unbenütztheit in und um dieselben zu Bergen aufgetürmt. Die Kolonisten waren nun und sind zum größten Teile noch jetzt auf den Ankauf desselben angewiesen. Nun ist dieser in der Nähe der größeren Kolonien fast ganz aufgebraucht, und anderseits verstanden es manche Araberdörfer durch freies Uebereinkommen ihren 253