Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1911-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 252

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 11-12
Article
Die Bedeutung des Futterbaues für Palästina
Date
1911-01-01
Page
Seite 252 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379838-2379847-2383390--03859-2383450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Bedeutung des Futterbaues für Palästina. Von Agr. Dr. El. Pickholz Wien. Kein Betriebszweig der Landwirtschaft liegt so brach hierzulande wie die Viehzucht oder Viehhaltung, obwohl keiner geeigneter wäre, die gesamte Landwirtschaft so günstig zu beeinflußen wie dieser. Palästina hat sich bis nun bei uns nur den Ruf eines Plantagenlandes erworben und jeder Vorschlag zur Einführung neuer Kulturen kann unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken, während der reine Ackerbau für Palästina schon von vornherein als eine veraltete, rückständige Wirtschaftsweise, als etwas Primitives angesehen zu werden pflegt, das nur der Anspruchslosigkeit der Araber genügen kann. Jeder, der schon einmal das Land besucht hat, weiß viel von den Orangerien, Weinbergen und Mandelgärten zu erzählen, nichts oder nur sehr wenig vom reinen Ackerbau. Vielfach ist man auch in Palästina der Ansicht, daß der reine Ackerbau unrentabel sei und jenen Leuten zu überlassen wäre, denen es an den nötigen Mitteln zur Anlage einer Plantage fehlt. Dem ist aber bei weitem nicht so. Wohl mag es sein, daß der Ackerbau, in primitiv arabischer Weise betrieben, für den jüdischen Kolonisten mit höheren Forderungen nicht lukrativ sein kann, jedoch in rationeller Weise gehandhabt, d. h. in Verbindung mit einem intensiven Futterbau, gehört er meiner Ansicht nach zu den sichersten und gewinnbringendsten Zweigen der Landwirtschaft. Der Ackerbau in Palästina leidet vor allem an dem Mangel der Viehzucht, die geeignet wäre, die gesamte Landwirtschaft bedeutend zu heben. Die Grundlage der Viehzucht bildet jedoch der Futterbau, um den es in Palästina leider sehr arg bestellt ist. Der mangelnde Futterbau ist es nun wieder, der die Situation so erscheinen läßt, als ob Palästina für Futterbau ungeeignet wäre. Die Unrichtigkeit dieser Ansicht folgt nicht nur aus theoretischer Ueberlegung, aus einer Vergleichung Palästinas mit klimatisch ähnlichen Ländern, sondern auch aus vielfach erprobten Tatsachen. So besitzen die deutschen Kolonien und die Wirtschaft des französischen Klosters zu Latrun einen ausgedehnten Futterbau, und der Schwerpunkt ihrer Wirtschaften liegt in der Milchproduktion. Und nach den bisherigen Erfahrungen läßt sich mit Sicherheit schließen, daß der Futterbau in Palästina genau so wie überall in Europa mit bestem Erfolg betrieben werden kann. Die Aufgabe dieser Zeilen ist es, die Vorteile desselben für die Landwirtschaft Palästinas einigermaßen zu beleuchten. Schon mit Rücksicht auf die hohen Preise sämtlicher Milchprodukte allein wäre es viel vorteilhafter, die Bodenprodukte mit Hilfe des Futterbaues in Milch umzuwandeln, als sie in Form von Körnern und Stroh auf den Markt zu bringen. Milch ist hier doppelt so teuer als in den größten mitteleuropäischen Städten und drei- bis viermal so teuer als in Osteuropa. Die Futtererträge hingegen stehen in keiner Weise denen in Europa nach, natürlich bei denselben Boden- und Düngungsverhältnissen. Auch die Absatzverhältnisse für Milch und ihre Produkte sind in Palästina auf unabsehbare Zeit die denkbar günstigsten. Die Aufnahmsfähigkeit 252

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.