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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 211

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Zionisten-Kongresse und Palästina-Arbeit
Date
1911-01-01
Page
Seite 211 (sequence 8)
Language
German
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des Jüdischen Nationalfonds. Allerdings muß man hierbei sagen daß die Delegierten es verstanden haben, dieses Werk dem AK. redlich schwer zu machen. Sie wollten wohl alle, daß der Nationalfonds ins Leben trete. Aber was da alles an juristischen und formalistischen und sonstigen Bedenken vorgebracht wurde! Es bedurfte seitens Herzl's der energischesten Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit, um es zu erreichen, daß die definitive Begründung des JNF. nicht wieder hinausgeschoben wurde. Kokesch sträubte sich dagegen, daß die Angelegenheit einer Kommission übergeben, d. h. „begraben" würde. Und Herzl sagte sehr fein: „Was wir wollen ist nicht eine unfruchtbare Arbeit durch Kommissionen, die etwas tun oder nicht tun, sich versammein oder nicht versammeln — wir haben in dieser Richtung Erfahrungen" und zitierte das englische Sprichwort: Die Einsetzung einer Kommission ist das sicherste Mittel, um nichts zu tun. Was aber nicht verhinderte, daß 24 Stunden später der Kongreß die Frage der Arbeit in Palästina doch wieder in einer Kommission begrub. Aber der JNF. war wenigstens begründet und schon flössen von allen Seiten Spenden. Zunächst indes war er mit der Maßgabe beschlossen, daß in absehbarer Zeit eine praktische Tätigkeit von ihm nicht zu erwarten war. Vier Millionen Mark sollten erst beisammen sein, ehe mit der Hälfte etwas begonnen werden durfte. Wäre es dabei geblieben, so hätte der JNF. noch heute brach gelegen und wahrscheinlich auf Jahre hinaus. Es ist auch kaum anzunehmen, daß er dann so schnell oder etwa gar noch schneller angewachsen wäre, wie es bisher der Fall war. Und jetzt sind erst zweieinhalb Millionen Mark vorhanden. Allerdings war damals auch als Maximalhöhe für Spesen etc. 10 Prozent vorgesehen * * * Die eineinhalb Jahre zwischen V. und VI. Kongreß waren von größter Bedeutung für die Entwicklung des Zionismus. Wuide bisher immer nur von Arbeit in Palästina geredet und wurden nur Instrumente für eine zukünftige Arbeit in nicht zu schnellem Tempo geschaffen, so sollte mit dem VI. Kongreß eine neue Aera einsetzen. Im Zionismus vollzog sich dieselbe Wandlung wie in der Sozialdemokratie, von der Revolution zur Evolution. Man hörte auf, alles auf das „Morgen", nach dem Tag zu verschieben, der die große Umwälzung, der den „Charter" bringen sollte, als ob da erst alle Arbeit im Lande der Zukunft beginnen dürfte. Nicht daß man aufgehört hätte, an die Erreichbarkeit der „öffentlichrechtlichen Sicherung" zu glauben, daß man die Arbeit dafür eingestellt hätte, daß man etwa zurückgekehrt wäre zu planloser philantropischer Kolonisation, aber man erkannte die Notwendigkeit der Gegenwartsarbeit, nicht nur im Sinne des IV. und V. Kongesses, als Arbeit im Golus, sondern vielmehr im Lande Erez Israel. Die Ereignisse in Rußland drängten dazu. Auch die eigene Anhängerschar verlangte sichtbare, greifbare Erfolge der Arbeit zu sehen. Hatte man doch mehr als einmal die Erreichung des Zieles in nicht zu großer Zeitenferne zumindest als Hoffnung hingemalt. Und nun die Not im Osten, die nach sofortiger Hilfe schrie . . . Die Idee eines Anfanges in El Arisch wurde aufgenommen. Es traten Hemmungen ein, man gab die Sache auf. Man wandte sich Ostafrika, Uganda zu. Aber um dieselbe Zeit reiften in Herzl andere Ent- 211

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