Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Zionisten-Kongresse und Palästina-Arbeit
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 9)
- Language
- German
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Schlüsse. Neue Männer, die von größter Bedeutung für den Gang der Dinge werden sollten, waren auf den Plan getreten, gerufen von Herzl: Franz Oppenheimer. und Otto W arburg. Sie wurden nach Wien geladen. „Wir erklärten, (so berichtet später Warburg) einen kleinen Teil des jetzigen großen Programms, Herzl stimmte mit uns überein, und es wurde die Palästinakommission geschaffen." Am IX. Kongreß kam Warburg noch einmal darauf zurück: „Ich habe den Schekel von Anfang an bezahlt, habe aber gesagt, ich kann praktisch nicht mitarbeiten. Erst nach dem V. Kongreß, als Herzl dazu gelangte, einzusehen, daß man in Palästina schon jetzt Vorarbeiten machen müsse, sagte ich: Jetzt ist meine Zeit gekommen, jetzt kann ich mitarbeiten . . So also kam es, daß der VI. Kongreß den Beginn einer neuen Zeit bedeutete, nicht durch das Ostafrika-Projekt, sondern durch die Einsetzung der „Palästina-Kommission" in Berlin, die wesentlich von den Kolonisations-Kommissionen der früheren Kongresse abwich. Derselbe Kongreß, der die Expedition nach Ostafrika zu entsenden beschloß, deren Kosten er aber weder aus Schekeln, noch aus NF. Geldern, noch aus Mitteln der Banken zu bestreiten gestattete, setzte eine Palästina-Kommission ein, die er auch arbeitsfähig machte durch die Konzentration an einem Ort, durch die Sachverständigkeit ihrer nur wenigen Mitglieder (Warburg, Oppenheimer, Soskin) und durch die Zubilligung eines Budgets von 15.000 Frcs. jährlich. Der neuen Kommission wurden ganz bestimmte Aufgaben zugewiesen: Erforschung Palästinas, Errichtung einer landwirtr schaftlichen Versuchsstation, von Auskunftsstellen, einer hygienischen Station und Herausgabe einer Palästina-Zeitschrift. Diese Aufgaben sollte die Kommission selbständig durchführen, und sie mußte auch bei Beratung und Beschlußfassung über Angelegenheiten aus ihrem Bereich im AK. und in den Jahreskonferenzen mit beratender Stimme zugezogen werden. . . Der Kongreß faßte diese Beschlüsse ohne lange Debatte. Man hat aber den Eindruck, daß diese ungewohnte Erscheinung nur darauf zurückzuführen ist, daß Herzl vorher die Erklärung abgab, daß das AK. mit diesen Anträgen einverstanden sei. Ueber die Tätigkeit der Kolonialbank verhandelte dieser Kongreß nicht. Er nahm nur mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Anglo Palestine Comp, ihre Tätigkeit in Palästina aufgenommen habe, daß sie dort kommerzielle Zwecke verfolge, Landwirtschaft und Industrie heben und beleben wolle. Für den Ankauf von Land durch den JNF. bestimmte der VI. Kongreß, daß der Aufsichtsrat auch schon, bevor der Fonds die vom V. Kongreß festgesetzte Höhe erreicht habe, einen Ankauf mit einfacher Majorität beschließen könne, allerdings könnten immer nur Dreiviertel des Kapitals zum Landankauf verwendet werden. „Das letzte Viertel und die gesamten Zinsen müssen solange unantastbar bleiben, bis nach Ansicht der Generalversammlung eine jüdische Kolonisation im Großen in Palästina oder Syrien möglich ist." * * * Am III. Kongreß hatte Herzl zum ersten Male auf der Kongreßtribüne das Wort gebraucht, das dann zum Kampfruf wurde — zum ersten 212