Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Zionisten-Kongresse und Palästina-Arbeit
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379838-2379845-2383190--03751-2383279- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
aber zunächst zu ruhen, bis dem IV. Kongreß ein vom AK. ausgearbeitetes Projekt vorgelegt wurde (sogar ein Entwurf für die NF-Marken wurde den Delegierten überreicht), aber nicht zur Beratung kam. Es wurde nur das AK. beauftragt, die einleitenden Schritte zu unternehmen. Der weitergehende Wunsch des Vaters des NF., Kremenetzk y's, den NF. ohne Spezialdebatte „als vollzogene Tatsache aus dem Kongreß hervorgehen" zu lassen, wurde nicht erfüllt. Die Bank hatte zur Zeit des IV. Kongresses ihre Tätigkeit noch nicht aufnehmen können. *Man nahm aber an, daß dies in kurzer Frist würde erfolgen können. In seinem Bankreferat ging darum Belkowsky auch auf jene schon öfters besprochene Frage ein, was die Bank zunächst zu tun haben werde. Aus seinen Ausführungen seien hier einige Sätze zitiert, die noch heute von Interesse sein dürften: „Alles, was der Trust leisten wird, muß einen gewissen Wert vom jüdisch-nationalen Standpunkt haben. Das ist seine Hauptaufgabe. Ob sich seine Kolonisationstätigkeit rentieren wird, das mag fraglich sein. Eines muß aber feststehen, daß seine Kolonisationsarbeit vom jüdisch-nationalen Standpunkte sich rentiere. Die finanzielle Rentabilität und die kulturelle Wirksamkeit der Kolonisationsgesellschaften stehen in der Regel in einem umgekehrten Verhältnisse zueinander. Je größer und je schwieriger die kulturpolitischen Ziele zu erreichen sind, desto mehr tritt die Möglichkeit oder die Höhe der Rentabilität zurück. Mit welcher Arbeit wir in Palästina beginnen, ob wir die unbebauten, brauchbaren Landflächen in Angriff nehmen oder uns um irgendwelche technische oder gewerbliche Konzessionen bemühen werden, darüber sind wir uns jetzt noch nicht klar. Eines steht fest, daß wir zur praktischen Arbeit auf diesem Gebiete in nächster Zeit übergehen müssen." Er erklärt es dann für eine selbstverständliche Pflicht, die sonst zur Emigration aus Palästina genötigten jüdischen Arbeiter in Palästina anzusiedeln. „Sollte es dem Trust nicht beschieden sein, schon in nächster Bälde irgendwelche Unternehmungen in Palästina ins Leben zu rufen, bei denen unsere Arbeiter Verwendung finden könnten, so möge vom Kongreß zu ihren Gunsten etwas geschehen." Er schlägt einen Aufruf für einen Arbeiterfonds vor, den der Kongreß jedoch nicht beschloß. „Der Trust soll aber die im gegebenen Moment notwendige Bahn einschlagen, um auf die wirtschaftlichen, kulturellen und nationalen Verhältnisse in Palästina einzuwirken. Er muß entweder die Kolonisation en gros ermöglichen oder irgend welche vom jüdischnationalen Standpunkt wertvolle Konzessionen erwirken . . ." So der offizielle Bankreferent vom Jahre 1900. Ende Dezember 1901 fand der V. Kongreß statt. Er stand unter den Zeichen der Erklärung, daß die Bank aktionsfähig sei, und der andauernden Emigration jüdischer Arbeiter aus Palästina. Nichtsdestoweniger wurde noch lange darüber debattiert, ob die Bank schon ihre Tätigkeit beginnen und womit sie anfangen solle, eine Debatte, die nicht viel zutage förderte. Motzkin, der den Standpunkt vertrat, die Bank solle in nächster Zeit so wenig als möglich tun, verlangte immerhin zwei Dinge: zunächst eine Forschungsexpedition von Fachleuten nach Palästina zu senden. „Die Bank kann gar nicht anders verfahren, denn wenn sie später den Wunsch hat, doch etwas zu tun, muß sie doch das Material hierzu 209