Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Zionisten-Kongresse und Palästina-Arbeit
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 3)
- Language
- German
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lungen. Die Gegensätze kamen auch mehr noch in den Couloirs und in den Kommissionen als in der öffentlichen Verhandlung zum Ausdruck Als Grundgesetz der neuen Organisation wurde das Baseler Programm angenommen, das an erster Stelle als Mittel zur Erreichung des Endziels vorsieht: „Die zweckdienliche Förderung der Besiedlung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden". Ein Beschluß, wie das geschehen solle, oder eine authentische Interpretation gab es hierzu nicht. Doch ist wohl als die offizielle Auffassung der neuen Organisation bzws. ihrer Leitung der Standpunkt anzunehmen, den der offiziell bestellte Referent Schnirer vertrat: Die Bakschisch-Wirtschaft müsse aufhören. Von einer weiteren Einwanderung von Juden in Palästina sei so lange abzusehen, als eine öffentlich-rechtliche Sicherheit für die dortige Ansiedlung nicht gegeben ist. Die bestehenden Kolonien sind zu konsolidieren, neue sind nur mit den zur Zeit in Palästina vorhandenen A^enschen zu gründen, „wobei selbstredend von keinerlei illegalen Mitteln Gebrauch zu machen ist". Bambus betrachtete das angenommene Programm als ein Kompromiß. „In diesem Programm", so schreibt er nach dem Kongreß, „ist klar und deutlich ausgesprochen, daß der wesentliche Inhalt des Zionismus die Kolonisation Palästinas durch Juden ist", und so soll der „Zion", der damals in seinen alleinigen Besitz überging, von da ab sich vor allem „der ungleich wichtigsten aller Aufgaben des Zionismus, der planmäßigen Besiedlung Palästinas durch Juden" zuwenden. Beim Kongreß hatte auch Bodenheim er, der das offizielle Referat über „Organisation" hatte, verlangt, daß deren einzusetzende Leitung aus ihrer Mitte drei Kommissionen wähle, davon eine für die kolonisatorisch-praktische Arbeit. Es wurde auch vom Kongresse selbst eine Kommission für praktische Kolonisation gewählt, — man hat von ihr nichts weiter vernommen. Trotz des selbst von einem Manne wie Bambus als Kompromiß aufgefaßten Programms, wurden die Kämpfe zwischen den einzelnen Richtungen auch nach dem Kongreß fortgesetzt. Im Mittelpunkt des II. Kongresses stand das Referat von Motzkin über „die jüdische Bevölkerung Palästinas mit besonderer Berücksichtigung der Kolonien". Sein Resume war: Keine weitere Infiltration — Hebung der in Palästina vorhandenen jüdischen Volkmassen durch Kolonisation und industrielle Unternehmungen. Zu beiden Zwecken solle, das ist der Wunsch des Referenten, mit dem er seine Ausführungen schloß, das neue Instrument, das der Zionismus bei diesem Kongreß zu schaffen beschloß, dienen: die Kolonialbank. Bemerkenswert ist auch, daß in diesem Referat zum ersten Mal vom „größeren Palästina" die Rede ist. Auch dieser Kongreß setzte eine „Kommission für Ueberwachung und Leitung der Kolonisationsangelegenheiten" ein, bei der diesmal auch schon vorgesehen war, daß „die für die Administrationsausgaben nötigen Mittel" vom Aktionskomitee (AK.) bestritten würden, dem die Kommission unterstehe. Die Worte „zweckdienliche Besiedlung" interpretierte der Kongreß, man verstehe darunter „die Kolonisation, die nach einer von der türkischen Regierung dazu erlangten Erlaubnis und nach einem Plane und 206