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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 205

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Zionisten-Kongresse und Palästina-Arbeit
Date
1911-01-01
Page
Seite 205 (sequence 2)
Language
German
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Wir stehen vor dem X. Zionistenkongreß, der ein Jubiläumskongreß genannt wurde. Die Kongresse sind die höchste gesetzgebende Körperschaft, das maßgebende Organ für alles Geschehen und Nichtgeschehen im Zionismus. Dem X. Kongreß obliegt die Aufgabe, neue; Richtlinien für die Arbeit aufzustellen und eine neue Exekutive zu wählen. Es dürfte da vielleicht von einigem Interesse sein, zu untersuchen, wie sich die bisherigen Kongresse zu den Fragen gestellt haben, die die Förderung Palästinas und des Jüdischen in Palästina umschließen. * * * Wollen wir die ersten Kongresse nach dieser Richtung verstehen, so müssen wir uns zunächst die Situation vor dem I. Kongresse vergegenwärtigen. * Schon vor dem Auftreten Herz Ts, vor dem Erscheinen seines „Judenstaats" gab es Zionismus, nicht bloß im Sinne der Förderung einer Besiedlung Palästinas, was gewöhnlich nicht ganz richtig mit Chowewe- Ziontum oder Chibas-Zion identifiziert wird, sondern auch schon das politische und national-kulturelle Streben war vorhanden, das dann, vergrößert noch durch das, was Herzl uns gab: das Großzügige und das Oeffentlich-Rechtliche, im Baseler Programm, im Kongreßzionismus, seinen synthetischen, präzisen Ausdruck fand. Wurde doch sogar in dem damals erschienenen „Zion, Monatsschrift für die nationalen Interessen des jüdischen Volkes", der das Organ war von Männern wie Bambus, Birnbaum, Kokesch, Lippe, Löwe, Motzkin, Thon (um nur die bekanntesten zu nennen), in Nr. 1 des Jahrgangs 1896, von Holzmann die Priorität der zionistischen Idee dieses Kreises gegenüber Herzl konstatiert, wenn auch nur, um ihn zu gemeinsamer Arbeit einzuladen. Im Maiheft desselben Jahres äußert R ü 1 f Zweifel, ob man Herzl zu den .Zionisten rechnen könne. Er macht ihm einen Vorwurf daraus, daß er so tue, als wäre er der erste, der mit solchen Gedanken und Ratschlägen hervortrete, und zitiert ihm gegenüber das Wort unserer Weisen: „Wer da sagt ein Wort im Namen seines Urhebers, der bringt die Erlösung in die Welt". Rülf wußte damals noch nicht, daß Herzl aus eigener Intuition geschrieben, nichts von Vorgängern, von gleichgestimmten Seelen geahnt hatte. Gab es also schon vor Herzl und Basel Zionisten, der Idee nach im vollsten Sinne des Wortes, so betätigten sie im Allgemeinen ihren Zionismus doch nur in der Förderung der Kolonisation Palästinas, der Ansiedlung von Juden, die nicht immer auf legalem Wege dahin gelangt waren. Darin begegneten sich jene Zionisten mit den Kreisen, die aus rein philanthropischen oder religiösen Motiven das Gleiche taten, denen aber nationale und politische Bestrebungen nur im Unterbewußtsein schlummerten oder ganz fernlagen, die zumeist diese Gedanken aufs strikteste zurückwiesen, weil sie in ihnen eine Gefahr teils für die kolonisatorischen Bestrebungen, teils für das gesamte Judentum erblickten. Als der erste Kongreß trotz Widerspruchs auch aus zionistischen Kreisen einberufen war, war die Situation völlig ungeklärt. Der erste Kongreß selbst hatte noch etwas Chaotisches. Die Meinungen platzten aut einander. Das offiziele Protokoll gibt kein genaues Bild der Verhand- 205

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