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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Zum Kulturproblem
Date
1911-01-01
Page
Seite 198 (sequence 3)
Language
German
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Wie aber sollte man sich andererseits gar am eigenen Suchen schon beruhigen können? Etwas völlig „Neues schaffen" will man hier und dort, etwas National-Eigenes — aber dieses Schaffenwollen bricht sich eigentlich an der Notwendigkeit, daß für das Schaffen eine Einheit, ein archimedischer Punkt schon da sein muß. Solange eine neue Kulturform so äußerlich aufgefaßt wird als etwas, was man nur so aus eigener Willkür schaffen kann und was im Uebrigen schon selbst aus den neuen Lebensverhältnissen wird, ist der archimedische Punkt weder erreicht noch eigentlich gesucht. Solange in das Kulturgeben das kulturgebende Element selbst nicht einbezogen wird, ist nicht zu verstehen, woher das Neue, Eigene kommen soll. Das kulturgebende Element kann nicht selbst wieder ein nur suchendes sein. . . . Es sollte also eigentlich klar sein, daß Kultur nur schon aus Kultur fließen und ersprießen kann, wie Leben aus Leben. Formen des Kulturlebens wachsen wohl, aber nicht aus dem Nichts, sondern wieder aus Kulturformen. Die Kraft des Suchens müßte sich also damit begnügen, dieses Wachstum selbst zu hegen und zu fördern, ohne sich anzumaßen, eine „neue Kultur" zu schaffen, aber auch ohne statt des langsam Wachsenden auf den Schein und auf die raschen Resultate zu drängen. . . „Kein Gefangener kann sich selbst befreien". Die Freiheit, das Andere, womit allein wir schon arbeiten können, gegenüber dem, wovon wir ausgingen und was wir als Voraussetzungen vorfinden, muß selbst schon irgendwie da sein, verhüllt, verborgen, in der Lebensgestalt selbst, in uns selbst. . . . Nur so kann man aber auch ruhig in der Entwicklungskraft stehen, ohne die Schwierigkeit der Bedingungen fürchten zu müssen. Die Bedingungen sind selbst nur etwas Bedingtes. Sie haben keine Möglichkeit, in sich ruhende Kräfte zu zerstören. Wenn es zuerst nicht auf die äußeren Resultate, sondern auf die Tendenz ankommt, so ist nirgends ein Hindernis da, diese Tendenzen fruchtbar zu machen. Nur die Weite der Wirkungen, die Möglichkeit, auf verschiedene Volksschichten zu wirken, hängt von den Bedingungen ab. Man kann aber auch diese nicht erzwingen. Man kann sie eigentlich gar nicht herstellen, wenn man gleichzeitig mit ihnen rechnet. Z. B. muß in den uns etwas fernestehenden Schichten auch schon ein Bedürfnis nach Hebung und Gestaltung ihres Lebens vorhanden sein, damit wir überhaupt wissen, ob wir gerade das Richtige zu geben haben. Aber die Bedingungen geben noch nicht den Sinn unserer Kulturbestrebungen. Wenn wir sagen, es gilt diese 198

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