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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Zum Kulturproblem
Date
1911-01-01
Page
Seite 197 (sequence 2)
Language
German
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wurden abseits von den Kongressen geschaffen, sowie die Grundlagen, die von diesen Gründungen vorausgesetzt werden, der Beginn eines palästinensisch-jüdischen Volkslebens und der Erneuerung der hebräischen Sprache. Hiezu konnte das belebende Wort niemals von den Kongressen ausgehen, außer jenen ersten, wo für die Belebung überhaupt die großen kräftigen Worte geprägt wurden. Es handelt sich also nicht eigentlich um ein Kongreßproblem, eher um ein Problem, das immer zwischen jenen Gegenständen schwebt, welche die Köpfe streitbar und die Herzen warm machen. So wollen diese kurzen Betrachtungen aufgefaßt sein.-- Um das Kulturwerk richtig aufzufassen, muß man doch immer auf etwas andere Begründungen zurückgehen als etwa bloß auf die Notwendigkeit, besonders für die palästinafremden Zionisten eine manchmal recht äußerlich betrachtete Notwendigkeit, in dem neuentstehenden Milieu möglichst viel Kulturmittel einzuführen, das Leben, trivial ausgedrückt, auf das beste und „kultivierteste" einzurichten. Kein Wunder auch, wenn bei vielen, die mitten in der Palästinabewegung selbst drinnen stehen, die sich selbst in Palästina schon einleben oder erst einleben wollen, dieses Bedürfnis eben auch nach allen mitgebrachten Bedürfnissen als das wichtigste erscheint. Denn selbst so betrachtet, zwingt es zu seiner eigenen tieferen Grundlegung. Gerade weil wir kein Muster für unser Wollen haben, weil uns schwierige und eigenartige Bedingungen gesetzt sind, können wir das Heil nicht in Schablonen und fertigen Doktrinen erblicken, sondern eigentlich in dem, wohin das Drängen und Suchen des gegenwärtigen Geschlechts erst sich entwickeln will. Und da scheint es, als ob eben ein solches Suchen gar nicht möglich wäre, ohne eine Richtung, die ihm unbewußt schon mehr oder weniger innewohnt. Bei den aufrichtigst Suchenden ist jene Kraft zu vermuten, die für die Zukunft noch mehr bedeutet als die schon fertigen Resultate, die ja mitunter einem weiteren Suchen Grenzen setzen. Es soll nicht daran vorübergegangen werden, daß jene Art Zufriedenheit, welche hierzulande über jede kleinste palästinensische Tatsache manchmal in recht naiver Aufrichtigkeit gepflogen, manchmal aber auch recht breit verkündet wird, nicht die ganze Stimmung der vorwärtsstrebenden Elemente selbst wiederspiegeln kann. Daß diese gerade an den noch vorhandenen Mängeln, noch mehr an den schon etwa vorhandenen Fehlern sich immer stärker zu eigener Kraftbetätigung entzünden muß, daß eigentlich auch da die volle Befriedigung nur dort ziemlich breit ausgesprochen wird, wo das Vorwärtsstreben selbst anfängt, mechanisch zu werden. 197

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